Italienischer fußball in der krise: baldini setzt auf jugend und erfahrung

Rom – Der italienische Fußball steckt in einer tieferen Krise als je zuvor. Nach dem verpassten WM-Ticket, das bereits die dritte Missleistung in Folge darstellt, steht der italienische Verband vor einem Scherbenhaufen. Interimstrainer Silvio Baldini versucht nun, mit einer ungewöhnlichen Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Kräften neue Impulse zu setzen.

Die verzweiflungstaktik: warum die alten haudegen zurückkehren

Die verzweiflungstaktik: warum die alten haudegen zurückkehren

Baldinis Plan ist so kühn wie verzweifelt. Er hat nicht nur die U21-Nationalmannschaft nominiert, sondern auch die Routiniers Gigio Donnarumma, Pio Esposito, Paletta und Pisilli in den Kader berufen. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick überrascht, aber laut Baldini notwendig ist, um die jungen Spieler bestmöglich zu fördern und gleichzeitig die fehlende Stabilität im Team zu kompensieren. „Donnarumma hat mich angerufen, das war ein starkes Signal. Andere haben es nicht für nötig gehalten… aber ich kann ihre Enttäuschung nach dem desaströsen März-Spiel verstehen“, so der Coach.

Doch Baldini scheut sich nicht, die Wahrheit auszusprechen: „Man versucht, mit alten Spielern zu operieren, weil es den eigenen Interessen dient.“ Ein deutlicher Seitenhieb auf die Transferpolitik vieler Vereine, die offenbar auf kurzfristige Erfolge anstatt auf langfristige Perspektiven setzen. Es ist ein Teufelskreis, der den italienischen Fußball seit Jahren belastet.

Die kommenden Freundschaftsspiele gegen Luxemburg (am Mittwoch) und Griechenland (am 7. Juni) sollen den jüngeren Spielern die Chance geben, sich zu beweisen. „Ich hoffe, diese Partien dienen denen, die nach mir kommen. Wir müssen einen Neustart wagen. Und das bedeutet auch, dass wir jungen Spielern eine Chance geben müssen – solange unser Fußball nicht von unseriösen Gestalten kontrolliert wird.“

Der Knackpunkt liegt laut Baldini nicht bei der Federazione, sondern bei den Vereinen. „Auf Nachwuchsebene gehören wir immer zu den Besten, manchmal sogar die Besten. Das Problem ist der Sprung in den Profibereich, und der gelingt nicht, weil die Vereine nicht mitziehen.“ Ein Vorwurf, der in der italienischen Fußballszene für hitzige Debatten sorgen dürfte.

Die Suche nach einem neuen Bundestrainer läuft bereits auf Hochtouren. Conte gilt als Top-Favorit, während Mancini aufgrund seines hohen Gehalts eher unwahrscheinlich scheint. Doch bevor ein neuer Coach das Ruder übernehmen kann, muss Silvio Baldini zunächst die beiden Freundschaftsspiele bestreiten – und vielleicht einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft des italienischen Fußballs entfachen.