Italienischer fußball am scheideweg: salvini fordert staatskommissar!
Rom – Die italienische Fußballszene erschüttert: Nach den jüngsten Enthüllungen rund um Schiedsrichter Gianluca Rocchi und dem daraus resultierenden Sturm der Kritik wächst der Druck auf den Verband FIGC. Die Lega, unter Führung von Vizepremier Matteo Salvini, fordert offen ein Staatskommissariat, um einen kompletten Neuanfang zu ermöglichen.
Ein fußball im freien fall?
Die Lage ist ernst. Skandale und sportliche Misserfolge häufen sich, und die Lega sieht darin Anlass für drastische Maßnahmen. In einer offiziellen Erklärung heißt es, der italienische Fußball habe “nie zuvor so große Schwierigkeiten” gehabt. Die Forderung nach einem Kommissar, der die Geschicke des Fußballs lenken soll, ist dabei kein isolierter Fall. Minister für Sport und Jugend, Andrea Abodi, hatte bereits am Samstag in einem Posting auf X signalisiert, dass eine Intervention des Staatses, möglicherweise in Form eines Kommissariats, in Betracht gezogen werden müsse.
Doch die Sache ist kompliziert. Während die Regierung mit Nachdruck auf ein Eingreifen drängt, steht ein neuer Präsident für die FIGC in weniger als zwei Monaten an, der angeblich einen umfassenden Reformplan präsentieren will. Ob die Regierung mit ihrem Vorstoß diesen Prozess behindert oder beschleunigt, bleibt abzuwarten. Abodi selbst scheint auf eine grundlegende Revolution im italienischen Fußballsystem zu drängen, die über eine bloße Personaländerung hinausgeht – ein Umbau, der seiner Ansicht nach nur durch einen Staatskommissar realisierbar sei.

Die rolle des coni und die rechtlichen hürden
Die Situation wird zusätzlich dadurch verkompliziert, dass ein Staatskommissariat nur durch den Präsidenten des Coni, Luciano Buonfiglio, verfügt werden kann. Dieser hatte stets betont, dass die Voraussetzungen dafür derzeit nicht gegeben seien. Laut Statut des Coni sind vier spezielle Bedingungen für ein solches Vorgehen erforderlich. Im Fall Rocchi wird versucht, auf “akute schwere Verstöße gegen die sportliche Ordnung durch leitende Organe” zu verweisen, doch bislang liegt dafür kein erwiesener Fakt vor. Zudem ist Rocchi selbst kein Mitglied der leitenden Organe der FIGC.
Buonfiglio agiert daher äußerst vorsichtig. Ein erzwungenes Kommissariat wäre mit den derzeit vorliegenden Informationen mehr als fragwürdig. Die Entscheidung muss zudem in der Giunta Coni (dem Vorstand des Coni) getroffen werden – eine Mehrheit, die Buonfiglio keineswegs garantiert ist. Sollte er hier scheitern oder das Tar del Lazio (Verwaltungsgericht von Rom) einen möglichen Kommissariatsbeschluss für unrechtmäßig erklären, könnte Buonfiglio gezwungen sein, von seinem Amt zurückzutreten.
Die Affäre Rocchi hat die Debatte um die Zukunft des italienischen Fußballs neu entfacht. Es bleibt abzuwarten, ob der Druck der Regierung und die Forderung der Lega schließlich zu einem Staatskommissariat führen oder ob die FIGC die Chance erhält, sich selbst zu reformieren.
Die Wahrheit ist: Der italienische Fußball steht am Abgrund. Die Entscheidung, wie es weitergeht, wird die Zukunft des Sports im Land maßgeblich beeinflussen.
