Italiener in bosnien warnt azzurri: barbarez-team spielt wie entfesselt

Fabrizio Danese ist derzeit der meisttelefonierte Italiener auf dem Balkan. Sein Handy glüht. „Ich bin der Mann der Stunde“, sagt der 28-jährige Innenverteidiger von Rudar Prijedor, Tabellenletzter der Premijer Liga – und am Samstag im Zenica-Stadion Gegner der Squadra Azzurra. „Meine bosnischen Kollegen schreiben auf WhatsApp ‚Wir knallen euch weg‘, nach dem Dimarco-Video sind sie noch mehr aufgedreht.“

Als totti noch in der lodigiani kickte

Danese ist kein Tourist. Er kennt beide Länder. Begann wie Francesco Totti bei Lodigiani, landete über Ceuta, Andorra und Spanien in der Provinzstadt Prijedor, 35 000 Einwohner, drei Italiener im Kader. „Wenn du hier auffällst, kriegst du sofort eine Chance. In Italien bleibst du in der Blase hängen.“ Er spricht vom Januar-Transfer, als er Abel Pascual ablöste – der Spanier wechselte direkt zum Spitzenklub Borac Banja Luka. „So schnell geht das hier.“

Die Bosnier? „Aggressiv, mit einem Mix aus erfahrenen Killern und 2006er-Blut. Alajbegovic ist das größte Talent, aber sie alle laufen bis zum Umfallen.“ Trainer Sergej Barbarez habe aus der Außenseiterrolle eine Religion gemacht. Gegen Wales pressten sie bis zur 95. Minute, gewannen 1:0, hätten 3:0 verdient. „Italia ist klarer Favorit, aber Zenica ist ein Kessel. Und wir haben nichts zu verlieren.“

Var-chaos, jugend-frust und der ewige exod

Var-chaos, jugend-frust und der ewige exod

Danese lacht bitter über die Parallelen. „Auch hier streiten sich Fernsehpanels stundenlang über den Video-Schiedsrichter.“ Er zählt: Schützenfest auf seinem Torhüter, Elfmeter nicht gegeben, Schiri schaut sich die Szene an und belibt trotzdem bei Gelb. „Italiener fühlen sich sofort heimisch.“

Der eigentliche Stachel sitzt tiefer. „Warum ist Italien seit zwölf Jahren nicht mehr bei einer WM? Weil wir Talente nicht durchreichen“, sagt er und schießt gegen die Serie C, wo er zuletzt 2019 in Arzachena spielte. „Da gewinnt nur, wer den Spielbetrieb überlebt, nicht wer Fußball spielt.“ Mit 20 unterschrieb er beim Chievo Verona, rutschte durch drei Leihstationen, ohne jemals in Verona zu debutieren. „De Ligt trainierte mit sechzehn schon beim Ajax-Kader. Ich durfte mit zwanzig nur vom Feinstofflager zuschauen.“

Sein Weg führte ihn zu Lewandowski in den Strafraum – 2023 Ceuta gegen Barça, 0:5, zwanzig Minuten David gegen Goliath. „Du spürst sofort: Die denken drei Sekunden schneller, ihre Technik ist sauberer, aber sie bekommen auch einfach die Plattform.“

Stadien zwischen plattenbauten und patriotismus

Stadien zwischen plattenbauten und patriotismus

Von Zenica hat er nur gehört. „Celik spielt in der zweiten Liga, deswegen war ich noch nicht dort.“ Aber die Geschichten sind legendär: 9 000 feiern im Bilino Polje, umgeben von sozialistischen Wohnblocks, die mit roten Fahnen geschmückt sind. „Man spielt quasi im Wohnzimmer der Leute.“ Das modernste Stadion steht in Sarajevo – Grbavica, heimlich auch Heimstätte von FK Zeljeznicar, wo der Bahnarbeiter-Fanklub die Kurve beackert. „Die Vereine pumpen Millionen in Infrastruktur, weil sie wissen: Das ist Visitenkarte und Zukunft zugleich.“

Und die Jugend? „Bei uns spielt Nedim Keranovic mit 17 durch, schon U21-Bosnien. In Italien würde man sagen: zu jung, zu leicht, kommt nächstes Jahr. Hier wirft dich der Trainer in Minute 70 rein, weil er weiß: Der Junge spielt sich frei, egal gegen wen.“

Die botschaft an spallettis jungs

Die botschaft an spallettis jungs

Danese schickt seine Warnung Richtung italische Medien: „Kommt nicht mit Halbgas. Wer die ersten zwanzig Minuten schläft, wird weggedrückt.“ Er selbst will nicht triumphieren, nur eins: „Dass meine Freunde nach dem Abpfiff sagen ‚Mensch, der Italiener war heute der Beste auf dem Platz‘. Dann habe ich beide Länder stolz gemacht.“

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer in Bosnien besteht, darf in Italien träumen. Und wer in Italien stagniert, findet im Balkan vielleicht das, was er nie bekam – eine echte Chance.