Italien zittert vor dzeko: das drama um das letzte wm-ticket beginnt

Zenica wird zur italienischen Angststadt. Um 20.45 Uhr rollt in der Balkan-Arena der Ball, der die Squadra Azzurra entweder zurück in die Weltspitze katapultiert oder in die dritte WM-Amnesie in Folge stürzt. Die Stimmung? Eine Mischung aus Nationaltrauma und kollektivem Selbstzweifel.

Edin dzeko, der schattenmann von 2017

Der Bosnier, der Rom-Legende, tritt nicht nur als Kapitän an. Er ist lebendige Erinnerung an das Florenz-Desaster von vor neun Jahren, als sein spätes Tor Italien die Teilnahme an Russland 2018 raubte. Seitdem jagt das Land jeden November denselben Albtraum. Die Statistik lügt nicht: Ohne Dzeko hat Bosnien in den letzten zehn Heimspielen nur 1,1 Tore geschossen – mit ihm steigt der Wert auf 2,3.

Luciano Spalletti hat seine Startelf durchsickern lassen: Donnarumma – Di Lorenzo, Buongiorno, Bastoni, Udogie; Barella, Fagioli, Frattesi; Chiesa, Retegui, Zaniolo. Kein Immobile, kein Kean. Die Botschaft: Geschwindigkeit statt Erfahrung. Das Risiko: drei ungeschliffene Diamanten auf einem Minenfeld.

Parallelkriege um jeden platz

Parallelkriege um jeden platz

Während in Zenica die Karten neu gemischt werden, lodern drei weitere Feuer. In Pristina erwartet Kosovo eine türkische Mannschaft, die sich selbst nicht mehr erkennt. Vincenzo Montella sprach von „emotionaler Leere“ nach dem Halbfinale-Sieg gegen Griechenland – ein Wort, das in Ankara für Rauswurf reicht.

Stockholm verwandelt sich in ein Theater aus zwei Hauptdarstellern: Viktor Gyökeres gegen Robert Lewandowski. Der Schwede traf in den letzten fünf Länderspielen sechsmal, der Pole schweigt seit Oktober. Wer zittert mehr? Die Antwort liefert vermutlich die 73. Minute, wenn Lewandowskis Lunge bereits nach Luft schnappt und Gyökeres noch einmal zündelt.

Das vierte Finale in Prag liest sich wie ein Bundesliga-Duell verlegt in die Moldau: Schick gegen Hojbjerg, Soucek gegen Delaney. Die Tschechen gewannen ihre letzten drei Playoff-Spiele erst im Elfmeterkrimi – diese Serie ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Mentalität, die Dänemark 2021 bis ins Halbfinale trug. Wer zuerst trifft, gewinnt hier selten.

Die zahlen, die italien nicht lesen will

Die zahlen, die italien nicht lesen will

Seit der verlorenen Qualifikation 2017 kassierte die Squadra Azzurra in Auswärtsspielen gegen Balkan-Teams immer mindestens ein Gegentor. Bosnien verlor kein einziges Heimspiel unter Ivaylo Petev. Und die italienische Presse fragt bereits laut: Was passiert, wenn es 0:0 steht und in der 85. Minute eine Flanke auf Dzekos Stirn fällt? Die Antwort liegt in der Grätsche von Buongiorno oder im Reflex von Donnarumma. Oder in einem neuen November, der für immer schwarz bleibt.

22.30 Uhr, irgendwo zwischen Turin und Tuzla, wird ein Land jubeln und vier andere in kollektive Trauer versinken. Die WM in Nordamerika bekommt ihre letzten vier Teilnehmer – und verliert vielleicht ihre größte Traditionsnation. Spalletti sagte gestern: „Wir sind nicht mehr Italien von 2006, wir sind das Italien von 2026.“ Heute Nacht entscheidet sich, ob das ein Trost oder ein Fluch ist.