Irrgang lüftet cottbus-geheimnis: „wir mussten nicht mal für das bier zahlen“
Detlef Irrgang spuckt nicht nur Tore, er spuckt auch Geschichten. Drei Spieltage vor dem möglichen Wiederaufstieg von Energie Cottbus packt der Rekordspieler (386 Pflichtspiele) aus, wie die legendären Feiern von 1997 und 2000 wirklich abliefen – und warum das Team um Coach Eduard Geyer „nichts bezahlen musste“.
Der tag nach dem aufstieg: geyers bier-training
„Lauftraining!“, rief Geyer am Morgen nach dem Klassenerhalt. Die Mannschaft trabte zum BuGa-Park, hielt beim ersten Imbissstand. „Stopp! Hier trinken wir jetzt alle ein Bier, dann Sauna und heim“, erinnert sich Irrgang im rbb-Interview. Die Rechnung? „Die übernahm die Stadt.“ Sekunden später lacht er: „In keiner Kneise mussten wir zahlen. Cottbus war eine einzige Kneipe.“
Diese Eskapaden standen nicht für Belanglosigkeit, sondern für die kollektive Ekstase eines Ostklubs, der sich in die 1. Bundesliga ballerte. Die aktuelle Truppe kann das 2026 wiedererleben – nur ohne Relegations-Druck. „Drei Siege, fertig“, fordert Irrgang. „Dann steht die zweite Liga fest.“

Warum der osten sich selbst schlägt
Irrgang schaut nicht nur auf den Platz, sondern auf die Tribünen. Die Ostrivalitäten ärgern ihn bis heute. „Ein Wessi sagte mal: ‚Ihr haut euch gegenseitig auf die Schnauze, verstehe ich nicht.‘“ Der 59-Jährige zuckt mit den Schultern: „Eigentlich komisch. Wir sollten froh sein, wenn Dresden, Magdeburg und Cottbus oben mitspielen.“
Gerade deshalb hofft er auf einen direkten Aufstieg. Eine Relegation gegen Magdeburg würde Ex-Coach Petrik Sander zurückbringen – emotionales Pulver, das niemand entzünden will.

Das neue gerüst: borgmann, engelhardt, funk
Vergleiche mit der Jahrhundert-Mannschaft? Irrgang sieht Parallelen. „Wir hatten drei, vier Leute, die vorangegangen sind. Heute sind es Axel Borgmann, Erik Engelhardt, Tolcay Cigerci – plus ein Riese zwischen den Pfosten: Marius Funk.“ Eine solche Kante verleihe Selbstvertrauen, „gerade wenn das Stadion ausverkauft ist und die Stadt zittert“.
Die Atmosphäre erinnert ihn an 2000. „Auch damals wussten wir früh: Gewinnen wir den Rest, ist die Bundesliga da.“ Die Folge: zwölf Tage Dauerparty – bis zum Pokalfinale gegen Stuttgart. „Wir kamen vom Feiern und mussten trotzdem sprinten“, grinst er.

Cottbus’ einfache rechnung
2026 lautet die Devise: keine Schlappe bis zum 34. Spieltag, dann spuckt der Brunnen wieder. Irrgangs Prognose: „Gewinnen sie so wie gegen Essen (5:3) und in Köln, gibt’s sieben Tage Nonstop Feier – und wieder zahlt die Stadt.“
