Ireland zertrümmert schottland und schickt die six nations vor das letzte gemetzel
Dublin war kein Hexenkessel, sondern eine Startbahn. 43:21 schleuderte Andy Farrells Mannschaft die Schotten aus dem Titelrennen und die Six Nations in ein Finale mit drei Kandidaten. Irland sitzt mit 19 Punkten vorne, Frankreich muss heute gewinnen – und England plötzlich zum Lieblingsfeind der Franzosen.
Blitzstart nach dem horrorwochenstart
Erinnert sich noch jemand an jene erste Halbzeit in Marseille? An die 17:0-Klatsche, nach der selbst in Cork keiner mehr auf Grün gewettet hätte? Das ist nur acht Tage her. Gestern brauchte Irland 120 Sekunden, um die Rechnung zu begleichen. Dan Sheehan riss die Schotten in deren Hälfte heraus, Crowley legte nach – 7:0, noch bevor das Guinness schäumte.
Was folgte, war kein Rugby-Match, sondern ein Kontrollverlust in 80 Minuten. Finn Russell zauberte zwischenzeitlich das 7:7 herbei, doch jedes Mal, wenn die Dark Blues Luft holten, schlug Irland mit der Kälte eines Chirurgen zu. Baloucoune biss sich bei der zweiten Meile durch drei Tackles, McCloskey legte den Pass hinter dem Rücken auf – 19:7 nach 25 Minuten, die Murrayfield-Träume bereits rauchendes Wrack.

Die schotten wachen auf – nur um wieder abzustürzen
Kurz nach dem Seitenwechsel glaubte Murrayfield-Flair zurückzukehren. Russell finte Gibson Park aus, Darge krachte durch – 26:21, plötzlich war die Aviva-Stadt leise. Doch Irland antwortet nicht mit Emotion, sondern mit System. Fünf Wechsel auf einmal, frische Beine, neue Druckwellen. Bei Minute 68 blockt Murray den Clearance-Kick, Frawley rennt, O'Brien vollendet – 33:21, der Knock-out.
Und weil Rugby keine Gnade kennt, erlöste O'Brien mit der letzten Aktion seine eigene Fangemeinde. Tuipulotu rutschte der Ball weg, O'Brien pflückte, sprintete, ließ drei Schotten stehen – 43:21, die höchste Niederlage der Schotten in der Geschichte des Turniers gegen Irland. Die Aviva sang, die Pipes schwiegen.

Paris bestimmt, aber dublin diktiert
Die Tabelle lügt nicht: Irland führt mit 19 Zählern, Frankreich folgt mit 16. Heute Abend muss Fabien Galthiés Equipe in Saint-Denis gewinnen – und zwar mit einem Bonus-Sieg, um die Titelverteidigung perfekt zu machen. Der Ironie des Spielplans geschuldet, jubelt Dublin heute für England. „Wir schauen, wir hoffen, wir beten“, sagte Farrell, während seine Spieler sich schon auf die Heimreise nach Cork, Galway und Limerick machten.
Für Schottland bleibt der alte Refrain: viel Talent, wenig Durchschlag. Seit 1999 warten sie auf den Titel, seit gestern auf eine neue Identität. „Wir haben Phasen gezeigt, aber keine 80 Minuten“, murmelte Gregor Townsend, dessen Kontrakt bis 2025 läuft – ein Jahr, das nach diesem Debakel plötzlich kurz wirkt.
Die Six Nations endet am Samstag, doch der Schlusspunkt ist schon gesetzt: Irland hat bewiesen, dass eine Auftaktniederlage kein Schicksal, sondern bloß ein Startpunkt sein kann. Und wer in Dublin laut aufstößt, wird in Paris erneut hören müssen.
