Voigt rast in otepää in die top ten – hettich-walz verspielt alles
Wind peitscht über die Schießstände von Otepää, und während Lisa Vittozzi im Ziel jubelt, bleibt für Janina Hettich-Walz nur der bittere Geschmack von Platz 26. Die 29-Jährige hatte den Sprint verpassten Podest auf der Zunge – und versenkte sich im Verfolger selbst.
Vanessa Voigt lacht. Sie war gestern noch die Ruhe selbst, „Füße hoch, Körper runter“, und heute sprintet sie mit der viertschnellsten Laufzeit auf Rang neun. 18 Plätze gutgemacht. Kein Hexenwerk, sagt sie ins ARD-Mikro, nur „gut geschlafen und gut gefühlt“. So einfach kann Biathlon sein, wenn man sich selbst nicht im Weg steht.
Hettich-walz und nawrath – das deja-vu des deutschen skiverbandes
Philipp Nawrath kennt das Gefühl. Sechs Fehler, Rang acht, 3:18 Minuten Rückstand. Ein Mann, der seine Starke vom Vortag zerstoben sieht, so wie seine Teamkollegin. Die DSV-Bank schwankt, die Punkte für die Nationenwertung sind Mangelware. Die Athleten reden von „Kopfsache“, der Verband von „Detailarbeit“. Zwischen den Zeilen liest man: Wir haben ein Systemproblem, kein Pechproblem.
Dahinter funkelt Julia Tannheimer. Vier Schießfehler, aber Platz 14 – 15 Positionen nach vorn. Sie ist 22, hat nichts zu verlieren und damit alles zu gewinnen. Marlene Fichtner, Selina Grotian, Julia Kink kommen nicht an ihr vorbei. Ihre Zeiten klingen wie fromme Wünsche: +3:32, +4:00, +4:56. Das ist kein Rückstand, das ist eine andere Liga.

Vittozzi feiert, deutschland fragt: wer folgt?
Lisa Vittozzi jubelt in Sonne und Sturm, Suvi Minkkinen und Lou Jeanmonnot folgen auf den Podeststufen. Italien, Finnland, Frankreich – die üblichen Verdächtigen. Deutschland steht abseits, wartet auf den Sonntag, auf Mixed-Bewerbe, auf Oslo. Dort, am Holmenkollen, wird die Saison enden. Für manche endet sie schon in Otepää.
120 Sekunden – so groß war der Abstand von Hettich-Walz zum Sieg. Das klingt nach einem Satz, ist aber eine Ewigkeit. Voigt brachte es auf 1:51. Tannheimer auf 2:23. Die Zahlen sind gnadenlos und sagen mehr als jedes Interview. Sie sagen: Wir haben Athleten, aber keine Mannschaft, die durchschlägt.
Morgen sind wieder 12,35 und 14,40 Uhr, dann geht es um Staffelstolz. Die großen Namen werden aufgestellt, die kleinen hoffen auf einen Stichplatz. Und irgendwo in Oslo wartet schon das Finale, das niemand so richtig will, weil es die Rechnung präsentiert: Was war, was bleibt, wer bleibt?
Voigt wird wieder die Füße hochlegen. Hettich-Walz wird wieder darüber nachgrübeln, warum das Ziel vor ihr wegläuft. Und wir werden wieder zuschauen, weil Biathlon nun mal so ist: eine Sportart, die einem beim Atem nimmt – manchmal vor Freude, manchmal vor Verzweiflung.
