Iran-konflikt droht die wm zu sprengen – fifa steht vor historischer entscheidung
100 Tage vor dem Eröffnungsspiel in Mexiko-City redet niemand über Taktik, Aufstellungen oder Fußball. Der Krieg um den Iran hat die XXL-WM längst überrollt. Drei Spiele sollen die Iraner in Los Angeles und Seattle bestreiten, doch die USA verweigern Visum, die Mannschaft trainiert nicht, der Ligabetrieb liegt lahm. Julian Nagelsmann spricht es aus, was alle denken: „Politische Themen dominieren, der Sport wird sie nicht lösen.“

Der iran droht mit boykott – und die fifa schweigt
Mehdi Taj, Präsident des iranischen Verbands, sagt es unverblümt: „Die USA haben unser Land angegriffen, das bleibt nicht unbeantwortet.“ Die Antwort heißt: keine Testspiele, keine Trainingslager, keine Reisepläne. Die FIFA verweist auf ihr Regelwerk: Fällt ein Teilnehmer aus, entscheidet allein die FIFA, wer nachrückt. Im Raum stehen der Irak und die VAE, doch wer will schon ein Turnier, das durch Ersatzmannschaften zusammengezimmert wird?
Die Ticket-Bilanz klingt makaber. 508 Millionen Anfragen für sieben Millionen Karten, behauptet Gianni Infantino. Trotzdem fragt sich jeder Stadionbauer in Boston, ob bis März die Sicherheitsmilliarden fließen. Guadalajara zittert vor dem Drogenkrieg, die ICE-Patrouillen an den Flughäfen verschreckten bereits Delegierte der WM-Auslosung. Die FIFA steht vor der Aufgabe, ein Turnier zu retten, das sie selbst zur Geldmaschine aufgeblasen hat: 104 Spiele, 16 Städte, 11 Milliarden Dollar Einnahmeziel – 104 Super Bowls nannte Infantino das.
Doch was nützen Rekordzahlen, wenn die Mannschaften nicht anreisen dürfen? Die Geschichte lehrt: 1950 zogen sich Schottland, die Türkei, Indien und Frankreich zurück – damals war der Weltkrieg frisch vorbei. Heute droht derselbe Schatten, nur eben live im Fernsehen. Die erste XXL-WM der Geschichte droht zur ersten XXL-Panne zu werden. Und selbst wenn der Ball rollt: Wer wird noch an den Fernseher gebunden sein, wenn die Nachrichten von Raketen und Drohnen kommen?
Nagelsmann versucht, die deutsche Elf auf Spur zu halten, doch selbst er weiß: „Unsere Leistung auf dem Platz hat für die Weltlage keine Relevanz.“ Die tröstliche Kraft des Sports – sie ist ausgeknipst. Am 11. Juni soll Mexiko gegen Südafrika eröffnen, doch das Azteken-Stadion könnte genauso gut leer bleiben wie die Köpfe der Verantwortlichen. Die WM 2026 beginnt nicht mit dem Schlusspfiff der Qualifikation, sondern mit der Frage, wer überhaupt noch einreisen darf. Der Countdown läuft – rückwärts.
