Iranerinnen bleiben in brisbane: stiller protest wird zum exil
Brisbane (TSV Pelkum Sportwelt) – Die Stille während der Hymne wird für sie zur Lebensform. Die iranischen Nationalspielerinnen Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh trainieren seit Montag mit dem Frauenkader von Brisbane Roar, nachdem ihre sieben Teamkolleginnen den Asylantrag zurückgezogen und den Rückweg in einen Kriegsraum angetreten haben.
Ein klub wird zur zuflucht
Der A-League-Verein bestätigte den Trainingsstart, ließ aber offen, ob die beiden Torhüterinnen auch Verträge erhalten. „Wir schützen ihre Daten wie einen Elfmeter in der Nachspielzeit“, sagt Roar-Geschäftsführer Kaz Patafta und weigert sich, Aufenthaltsort oder Status zu nennen. Die australische Regierung übernahm die Kosten für Sicherheit und Unterbringung – ein Vorgang, der in Canberra sonst nur für olympische Flüchtlinge üblich ist.
Die Geschichte beginnt am 28. Januar im Khalifa-Stadion von Doha. Während die iranische Hymne erklingt, halten 23 Kickerinnen den Mund – ein Akt, der in Teheran innerhalb von Minuten als „Verrat“ gebrandmarkt wird. Staatsfernsehen schneidet die Bilder raus, soziale Medien löschen Accounts, Familien erhalten Besuch von Sicherheitskräften. Was folgt, ist ein Asylrekord: sieben Anträge innerhalb von 48 Stunden, fünf Rücknahmen unter Druck, zwei Frauen bleiben.

Der preis des schweigens
Menschenrechtsorganisationen berichten, dass den zurückkehrenden Spielerinnen die Pässe entzogen und ihre Angehörigen ins Visier genommen wurden. „Wer schweigt, singt nicht nur die Hymne nicht – er schreibt sich selbst aus der Gesellschaft aus“, erklärt Sara Hosseini von der Initiative „Open Stadiums“. Die beiden Verbleibenden wären laut FIFA-Statut für sechs Monate sperrverlustig, doch der Weltverband signalisiert bereits, dass er im Fall von „politischer Verfolgung“ die Freigabe erteilen wird.
Brisbane Roar profitiert sportlich: Die Klub-Keeperszene glich bisher einem offenen Tor. Mit der 26-jährigen Pasandideh (1,85 m, 34 Länderspiele) und der 24-jährigen Ramezanisadeh (1,82 m, 27 Länderspiele) rückt die Reserve endlich in Sichtweite der Startelf. Coach Alex Smith spricht von „Qualität, die wir uns sonst nur aus dem Ausland leihen könnten“. Die Fans reagierten mit einem Fahnenmeer vor dem Trainingsgelände – grün-weiß-rot, aber ohne Wappen. Ein Statement ohne Worte.
Die Uhr tickt. In 72 Stunden endet die Transferfrist der A-League, und die FIFA will bis dahin klären, ob die beiden Iranerinnen als „freie Agentinnen“ gelten. Verpassen die Klubs die Deadline, winkt nur ein Amateurstatus – und das wäre für Profis, die ein ganzes Regime vor sich hergetrieben haben, der nächste Tiefschlag. Doch selbst wenn der Vertrag kommt: Die Hymne werden sie weiter nicht singen. Dafür steht jetzt ein neuer Refrain im Stadion von Brisbane – der Applaus der eigenen Fans, lauter als jedes Staatslied.
