Iran sagt der wm in den usa ab – trump würte sie trotzdem
Die Fußball-Weltmeisterschaft verliert einen potenziellen Teilnehmer, bevor die Lostrommel überhaupt rollt. Irans Sportminister Ahmad Donyamali hat am Dienstagabend vor laufenden Kameras ausgeschlossen, dass die Team Melli im Sommer in die USA, nach Mexiko oder Kanada reist. Grund: die Luftschläge Ende Februar, bei denen der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet wurde.
„Unsere voraussetzungen sind nicht gegeben“
„Diese korrupte Regierung hat unseren Führer ermordet“, sagte Donyamali im staatlichen IRIB. „In acht Monaten hat sie uns zwei Kriege aufgezwungen und Tausende zu Märtyrern gemacht. Deshalb gibt es für uns keine Option, an der WM teilzunehmen.“ Die Aussage kommt, während Irans Spielplan bereits feststeht: Gruppenphase in Los Angeles und Seattle, zwei Städte mit großer iranisch-amerikanischer Gemeinde.
Das Weiße Haus reagierte am Mittwoch mit einer Kehrtwende. Noch am Wochenende hatten Sicherheitsberater intern ein Einreiseverbot für iranische Athleten geprüft. Jetzt meldete sich Donald Trump persönlich zu Wort: Er würde Irans Teilnahme „begrüßen“. Die Botschaft ist kalkuliert – ein Boykott der Iraner würde die ohnehin strittige WM ins politische Abseits manövrieren.

Fifa steht vor einem scherbenhaufen
Die FIFA hatte den Iran vor zwei Jahren trotz Protesten im eigenen Land nicht suspendiert, um das Turnier „entpolitisiert“ zu halten. Jetzt droht genau das Gegenteil: Ein Boykott wäre die erste Absage eines WM-Teilnehmers seit 1950, als Indien aus Kostengründen zusagte, dann aber doch blieb. Der Verband schweigt bislang. Intern ist man verärgert: Die TV-Rechte für Iran waren an ein katarisches Konsortium verkauft, ein Ersatzteam würde Millionen kosten.
Für den iranischen Verband ist die Lage prekär. Trainer Amir Ghalenoei hatte das Qualifikationsziel „Achtelfinale“ ausgegeben, Teheran hatte Fan-Reisen subventioniert. Jetzt sitzen Spieler wie Mehdi Taremi oder Sardar Azmoun zwischen Fronten: Wer gegen die Anordnung verstößt, riskiert ein Berufsverbot im Iran. Wer sich fügt, verspielt vielleicht die letzte WM seiner Karriere.
Die Uhr tickt. In 90 Tagen eröffnet Argentinien Marokko in New York. Bis dahin muss die FIFA entweder einen Ersatzmann nominieren – oder mit einem 23-Mann-Kader in den USA auflaufen, der nicht antreten will. Die nächste Woche entscheidet, ob die WM ihr erstes politisches Opfer fordert, bevor der erste Ball rollt.
