Inter-mailand schickt sich an, die premier league einzuholen – der mann mit dem kassenplan spricht
Giorgio Ricci hat den Auftrag, den Abstand zu verschlingen. Seit November 2024 steht der 46-Jährige als Chief Revenue Officer an der Seite von Beppe Marotta – und damit vor der größten Herausforderung des Klubs: sechs englische Großclubs trennen die Nerazzurri vom obersten Umsatz-Rang, und Oaktree will die Lücke vor 2027 geschlossen sehen.

Die premier-league-lücke beträgt 250 millionen – und ricci weiß, wo er ansetzen muss
„Wir reden hier nicht über Marketing-Gags“, sagt Ricci im Gespräch mit Gazzetta dello Sport. „Wir reden über eine Neuverteilung der globalen Einnahmeströme.“ Die Botschaft ist klar: Wer bei Inter künftig mitmischen will, muss sich auf neue Erlösquellen einstellen – vom Ticketing über NFT-Sammlerkarten bis hin zu einem eigenen OTT-Kanal, der Spiele in 4K nach Indien und China streamt.
Die Zahlen sind hart. Die Premier-League-Top-6 kassieren durchschnittlich 450 Millionen Euro pro Saison – Inter liegt bei 200. Ricci will 30 Prozent jährlich drauflegen, bis 2028. Klingt verrückt? Vielleicht. Aber der ehemalige UEFA-Marketingchef kennt die Hebel. Stadiummiete senken, indem man die Mehrheit an der neuen Arena übernimmt? Check. VIP-Tickets zu 1.200 Euro pro Partie verkaufen, inklusive Dinner mit Lautaro? Läuft bereits. Und dann da ist noch der Jugendbereich: „Jeder 17-Jährige, der in Indonesien Inter trägt, ist ein potenzieller Dauerkarten-Inhaber in zehn Jahren“, sagt Ricci.
Der Clou: Oaktree hat keinen Cent für neue Spieler locker gemacht – und trotzdom führt Inter die Serie A an. Das schafft Leverage. Sponsoren, die bisher 8 Millionen zahlten, sollen 15 zahlen. Ricci nennt das „Performance-Preisindex“. Klingt nach BWL-Vorlesung, funktioniert aber. Der erste Testlauf: Lenovo erhöhte die Zahlung um 42 Prozent, nachdem Inter die Gruppenphase der Champions League souverän überstand.
Kritiker mahnen: Die Fans könnten sich von den Premium-Preisen verabschieden. Ricci zuckt mit den Schulzen. „Unsere Warteliste für Dauerkarten hat 28.000 Namen. Wir sind kein Sozialamt, wir sind ein globales Entertainment-Produkt.“ Harsh? Sicher. Doch genau diese Härte braucht es, wenn man gegen Manchester City und Co. nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf der Bilanz gewinnen will.
Am Ende des Gesprächs zieht Ricci sein Handy heraus, zeigt eine Grafik: Innerhalb von 90 Tagen ist der Instagram-Follower-Zuwachs um 18 Prozent geklettert – ohne Messi, ohne Ronaldo, nur mit Inter. „Das ist unser Kapital“, sagt er und lächelt schmal. „Und Kapital verzinst sich, wenn man es richtig anlegt.“
