Inter patzt: 2:2 in turin – scudetto erst bei drei punkten
Mailand zittert. Die Inter, seit 25 Spieltagen ungeschlagen, verspielte beim 2:2 in Turin eine 0:2-Führung und vertagt die Meisterfeier auf unbestimmte Zeit. „Wir haben den 3:2-Siegtreffer gesucht, aber in so einer Phase kann dieselbe Attacke auch das 2:3 bedeuten“, sagte Co-Trainer Cristian Chivu, der die Mannschaft vertrat, weil Simone Inzaghi mit grippalem Infekt im Hotel blieb.
Ein doppelschlag, der die geister weckte
Die Nummern sprechen eine klare Sprache: 68 % Ballbesitz, 17:11 Torschüsse, erwartete Tore 2,4:0,9 – alles für Inter. Dennoch flatterten die Schwarzblauen nach dem Anschlusstreffer von Duván Zapata (74.) und dem späten Ausgleich durch Alessandro Buongiorno (90.+1) heftig. „Das 1:2 hat uns erschreckt, das 2:2 war die logische Folge“, gestand Chivu. „Plötzlich schlichen sich die Gespenster ein.“
Die Ursache lag auch in der personellen Schieflage. Hakan Çalhanoğlu laborierte an Oberschenkelproblemen, Denzel Dumfries musste mit muskulären Beschwerden ausgewechselt werden. Alessandro Bastoni durfte nach drei Trainingseinheiten nur ein paar Minuten mitwirken, Lautaro Martínez fehlte komplett. „In dieser Phase der Saison kostet jeder Kilometer Energie“, so Chivu. „Wenn du denkst, bei 2:0 ist alles gelaufen, bestraft dich die Serie A sofort.“

Der scudetto ist noch nicht eingetütet
Trotz des Rückschlags liegt Inter bei 83 Punkten weiter 15 Zähler vor AC Mailand. Theoretisch reichen drei Punkte aus den restlichen fünf Partien. „Wir müssen den Kopf behalten“, mahnte Chivu. „Ich kenne die Stimmung im Kader, ich war selbst Spieler. In Momenten wie diesen braucht man eine Schulter, keine Predigt.“
Die nächste Chance kommt bereits am Samstag gegen US Sassuolo. Sollte Inter gewinnen und Milan am Sonntag in Parma patzen, winkt das 20. Scudetto – dann vor eigenem Publikum im Giuseppe-Meazza-Stadion. Die Fans träumen vom „cucù“-Finale gegen ihre Stadtrivalen am 22. April, doch Chivu warnt: „Wir haben 25 Siege und 101 Tore geschossen, das ist kein Zufall. Aber die Liga endet erst am 26. Spieltag.“
Turin feierte indes wie nach einem Finalsieg. Ivan Jurić hatte seine Mannschaft umgestellt, drei offensive Wechsel nach dem 0:2 brachten die Wende. „Wir haben nie aufgegeben, das ist unsere DNA“, sagte der Coach. Für Inter bleibt die Erkenntnis: Selbst eine nahezu perfekte Saison kann an einem einzigen Nachmittag einen Kratzer bekommen. Die Meisterkrone liegt bereit – aber sie will endgültig aufgesetzt werden.
