Ilzer zerpflückt seine tsg: „wir haben leipzig eingeladen, uns zu demolieren“
Leipzig – 90 Minuten, die alles wegspülten. Die TSG Hoffenheim kassierte am Freitag eine 0:5-Klatsche bei RB Leipzig – und Trainer Christian Ilzer lieferte vor laufender Kamera das vernichtende Urteil über sein eigenes Team. „Wir haben sie eingeladen, Tore zu machen“, sagte er. Kein Blatt vor den Mund, keine Ausrede, nur blankes Entsetzen.
„Das erste tor hat uns den stecker gezogen“
Was wie ein technischer Defekt klingt, war die Momentaufnahme der Hoffenheimer Seele. Nach 13 Minuten war die Partie gelaufen. Angeliño traf zum 1:0 – danach brach die TSG in sich zusammen. „Mangelhafte Zweikampfführung, kein Zugriff, kein Gegenpressen. Wir haben im Strafraum verteidigt, als wäre ein Fernglas dabei“, sagte Ilzer. Torhüter Oliver Baumann bestätigte: „Das 0:1 hat uns den Stecker gezogen.“
Die Statistik ist gnadenlos: 17 Gegentore in den letzten fünf Pflichtspielen. Dreimal kassierte Hoffenheim mindestens drei Gegentreffer. Die einzige Ausnahme: das 4:2 in Heidenheim – ein Sieg, der sich im Rückblick wie ein Strohhalm anfühlt.

Der trend, der ilzer wach liegt
Die Niederlage in Leipzig war kein Ausrutscher. Sie passt ins Bild. Nach dem 1:5 in München folgte ein 2:2 gegen Köln, eine 0:1-Pleite in St. Pauli, ein 1:1 in Wolfsburg. „Wir verlieren das Momentum, obwohl wir dominieren“, sagte Ilzer. Er spricht von einem „bedenklichen Trend“. Die TSG besitzt zwar 54 Prozent Ballbesitz in dieser Saison, aber nur 1,6 Punkte im Schnitt der letzten sieben Spiele. Die Lücke zwischen Spielanlage und Ergebnis wird zur Gefahr.
Die Folgen: Hoffenheim rutscht auf Platz acht ab. Die Conference-League-Ränge sind noch zu halten, doch die lukrativen Plätze für Champions- oder Europa League entfernen sich. Die Saison war bislang „herausragend“, wie Ilzer einräumt. Doch jetzt droht der Tiefpunkt, das Finale zu verspielen.
Ilzer will nicht mehr nur reden. „Wir müssen uns fragen, warum wir in dominanten Phasen nicht zupacken.“ Die Antwort liegt in der Defensive. 42 Gegentore nach 31 Spieltagen – nur fünf Teams kassierten mehr. Die TSG verteidigt wie ein Kollektiv, das sich zum ersten Mal sieht.
Am Samstag gastiert Bayer Leverkusen in Sinsheim. Die Meister kommen – mit 76 Treffern. Ilzer schaut auf die Analyse, nicht auf die Tabelle. „Wenn wir nicht umschalten, wird Leverkusen uns ein zweites Mal einladen.“
Die Saison ist nicht verloren. Aber das Vertrauen in die eigene Stabilität ist es.
