Horngacher tritt ab – mitter soll dsv-chef werden, doch der verband schweigt

Stefan Horngachers Abschied war keine Show, sondern ein Kloß im Hals. Am Fuß der Bloudkova-Schanze stand der Bundestrainer, 59 Jahre alt, sieben Jahre im Dienst, und plötzlich stockte selbst ihm die Stimme. „Ich mache seit meinem zehnten Lebensjahr nichts anderes als Skispringen. Ich kann nichts anderes.“ Die Ära endet mit Gold für Philipp Raimund – und mit einem Geheimnis namens Andreas Mitter.

Gold und frust: die bilanz des horngacher-jahrgangs

Planica lieferte das perfekte Horngacher-Final: ein Olympiasieger, zwei Top-Ten-Gesamtweltcupplätze, aber kein Tournee-Sieg, keine klare Mannschafts-Dominanz. Karl Geiger schmetterte am letzten Tag auf Platz acht, Andreas Wellinger sammelte fünf mal die Traumnote 20 – historisch, aber nur Platz elf. „Wir haben uns Stück für Stück vorangearbeitet“, sagte Wellinger. Es klang nach Selbsttherapie. Die Saison war ein Mikrokosmos aus Höhenflug und Stagnation, und die Verantwortung dafür schiebt der DSV nun stillschweigend auf den nächsten Mann.

Der ist längst ausgewählt, nur das offizielle Papier fehlt. Horngacher bestätigte den Springerriegen den Nachfolger bereits hinter verschlossenen Türen. Der Verband verweigert jeden Kommentar. Die Szene aber tanzt schon: Andreas Mitter, bisher Assistent, Österreicher wie Horngacher, Taktiker ohne Twitter-Account, gilt als Favorit Nummer eins. „Kein Kommentar“, quakt die DSV-Pressestelle auf SID-Anfrage. Geiger zuckt nur: „Ich glaube, dass das gut wird.“ Mehr Vertrauen kriegt man nicht, wenn die eigene Zukunft in Kärntner Händen liegt.

Was horngacher wirklich zurücklässt – und warum mitter die machtprobe riskiert

Was horngacher wirklich zurücklässt – und warum mitter die machtprobe riskiert

Die Devise lautet: Weitermachen, aber bitte ohne Bruch. Horngachers Erbe ist ein Kader voller Talent, aber auch voller Fragezeichen. Felix Hoffmann schafft’s als Neuling auf Rang neun im Gesamtweltcup, doch Raimund fällt nach seinem Olympia-Coup auf 28. Die Altstars schwanken zwischen Glanz und Krise. Die Sprung-Auswertung liefert die schonungslose Zahl: Kein DSV-Adler war von Saisonsbeginn bis Finale durchgehend vorn. Mitter muss nun eine Mannschaft formen, die nicht nur in Planica, sondern schon in Kuopio mitmischt.

Horngacher selbst greift erstmal zur Gitarre, sucht Pilze, schwingt sich aufs Rad. Aber er wird zurückkommen. „Ich kann nichts anderes.“ Die Schanze ist sein Lebensraum, und die nächste Generation wird ihn wiedersehen – vielleicht als Berater, vielleicht als ZDF-Experte, vielleicht einfach als Zuschauer mit Zipfeljacke und Kaffeebecher. Die Bundesliga der Luft bleibt sein Terrain.

Die offizielle Verkündung des Nachfolgers steht noch aus, doch die Szene hat längst gewählt. Wenn Mitter das Zepter übernimmt, übernimmt er auch den Druck, endlich wieder einen Gesamtweltcup zu holen – und sich gegen die Erinnerung an einen Trainer zu behaupten, der Deutschland in sieben Jahren von der Bedeutungslosigkeit zurück in die Weltspitze führte. Die Zeit der Geheimnisse neigt sich dem Ende zu. Die neue Saison beginnt in fünf Monaten. Da wird jedes Springen ein Referendum über die DSV-Führung – und über den mutmaßlichen Chef, der bislang nur „Kein Kommentar“ sagt.