Hoffenheim knöpft sich leipzig vor: vom spott-spiel zum champions-league-krimi

Der »Unbeliebtico« ist Geschichte, jetzt zählt nur noch der Champions-League-Platz. Die TSG Hoffenheim fährt als Tabellendritter nach Leipzig, um dem Fünften die Luft für die Königsklasse abzudrehen – und endlich die Horror-Bilanz aus der Red-Bull-Arena zu korrigieren: nur ein Sieg in elf Gastspielen.

Der Trick mit den Spott-Plakaten im Hinspiel – »Der Unbeliebtico« in Anlehnung an El Clásico – ging damals nach hinten los. Leipzig schüttelte sich, zitierte Allensbach und blieb trotz Gegentor-Spektakel souverän. Vier Monate später ist die Tonlage eine ganz andere. Christian Ilzer spricht nicht mehr über Marketing-Gags, sondern über »eine Riesenchance, die Tabellenkonstellation zu zementieren«. Der Österreicher weiß: Gewinnt seine TSG, beträgt der Vorsprung auf Leipzig sechs Punkte – bei noch acht Spielen.

Ilzer muss auf motor avdullahu verzichten

Der Umbruch in der Kabine ist spürbar. Leon Avdullahu, seither unverzichtbar als Sechser mit Vorwärts-Gang, fehlt mit einem Adduktoren-Riss. »Er verbindet Defensiv-Arbeit mit Tempo-Gewinn wie kein Zweiter«, sagt Ilzer und schickt damit Grischa Prömel, Wouter Burger oder Albian Hajdari ins Rennen. Die Leipziger wiederum hoffen auf Heilung durch Heimspiel: Loïs Openda und Xavi Simons stehen bereit, die letzten Patzer aus dem 2:2 in Heidenheim zu korrigieren.

Die Zahlen sprechen für RB: seit 2018 hat Hoffenheim in der Arena nicht gewonnen, die letzten drei Duelle endeten 3:0, 3:1, 3:1. Doch die TSG hat dieses Jahr etwas, das sie zuletzt fehlte: Chancenverwertung. Maximilian Beier und Andrej Kramarić schießen mit 21 Treffern gemeinsam fast so viele wie das gesamte Leipziger Sturmquartett.

3 Punkte zwischen traum und albtraum

3 Punkte zwischen traum und albtraum

Beide Klubs trennen genau drei Zähler – und die Erkenntnis, dass der Verlierer plötzlich in die Europa-League-Gruppe rutscht. Marco Rose warnte seine Spieler intern: »Wenn wir das Spiel verlieren, haben wir den dritten Platz nicht mehr in der Hand.« Dabei geht es nicht nur um Prestige, sondern um rund 30 Millionen Euro Startprämie für die Champions League.

Kick-off ist am Freitag um 20.30 Uhr. Die Leipziger Fans planen eine »Wall of Red«, die TSG-Anhänger reisen mit 4.000 Mann an – so viele Auswärtsfahrer hatten sie noch nie dabei. Ilzer schickt seine Mannschaft mit einem einfachen Auftrag auf den Platz: »Zeigt, dass wir nicht mehr nur ungeliebt, sondern unbequem sind.« Wenn sie das schafft, sprechen alle am Wochenende nicht mehr vom »Unbeliebtico«, sondern vom »Hoffenheim-Hammer«.