Hoeneß entlässt dingert mit dem superlativ des jahres

Uli Hoeneß schlägt zu, bevor die Lichter in BayArena erkalten. „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichterteams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe.“ Mit diesem Satz jagt der Ehrenpräsident des FC Bayern Christian Dingert und dessen Crew in die unterste Schublade des Fußballgedächtnisses. Das 1:1 in Leverkusen ist erst wenige Minuten her, da wird aus Enttäuschung schon Historie.

Dingert räumt fehler ein, aber zu spät

Der Referee gibt es zu: Die Gelb-Rote Karte gegen Luis Díaz war „sehr hart“. Er hätte sie „so nicht mehr gegeben“. Die Einsicht ehrt ihn, nützt Bayern aber nichts. Denn die Partie ist weg, zwei Tore wurden zurückgenommen, zwei Münchner mussten runter. Der VAR lief heiß, die Nerven kochten. Dingert sah eine Schwalbe, wo kein Kontakt zu erkennen war. Später sieht er die Bilder – und korrigiert sich. Nur: Korrektur nach Abpfiff ist wie Salz in eine offene Wunde streuen.

Max Eberl nimmt sich nach dem Schlusspfiff eine Minute, atmet durch, spricht mit Dingert. „Er hat auch gesagt, die Gelb-Rote Karte ist keine Gelb-Rote Karte.“ Eberl bleibt sachlich, wählt das Wort „ehrenvoll“. Doch seine Stimme zittert. Denn er weiß: Ein Punkt in Leverkusen kann am Ende der Saison fehlen. Die Meisterschaft wird oft an solchen Abenden entschieden.

Bayern fragt sich: wann wird das system endlich fair?

Bayern fragt sich: wann wird das system endlich fair?

Die Statistik lügt nicht. In dieser Spielzeit haben die Bayern bereits vier Tore durch VAR-Entscheidungen aberkannt bekommen – Rekord in der Liga. Jede einzelne Revision war laut Regelwerk korrekt, doch die Häufung frisst Nerven. Spieler verlassen den Platz mit dem Gefühl, gegen zwei Gegner zu kämpfen: den Gegner und den Videoassistenten.

Hoeneß‘ Superlativ ist keine Kampfansage, sondern ein Aufschrei. Er spricht aus, was viele Trainer nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Der Schiedsrichterverband wird intern die Leistung von Dingert und Co. analysieren, vielleicht sogar Konsequenzen ziehen. Doch die Punkte bleiben in Leverkusen. Und die nächste heiße Phase der Saison kommt bestimmt.

Am Samstag empfängt Bayern Stuttgart. Dann steht wieder ein Schiedsrichter auf dem Platz, wieder ein VAR sitzt in Köln. Die Erinnerung an Leverkusen wird mitlaufen, in den Köpfen der Spieler, in den Stimmen der Fans. Und irgendwann, vielleicht im Mai, wird sich zeigen, ob der eine Punkt, den man in Leverkusen liegen ließ, die Meisterschaft kostet. Dann braucht keiner mehr einen Superlativ. Dann zählt nur die Tabelle – und die ist gnadenlos.