Hoeneß bremst undav-hype ab: „er muss auf dem platz antworten“

Sebastian Hoeneß drückt die Stopptaste. Der VfB-Coach schickt Deniz Undav nicht als Märtyer ins Nagelsmann-Duell, sondern als Profi mit Turbo-Start. „Ich werde mich nicht locken lassen“, sagt er knapp – und meint: Lärm hin, Lärm her, Tore zählen.

Der joker mit startnummer

Die Szene ist klein, aber laut. In der Mercedes-Benz Arena, Donnerstagmittag, fragt ein Reporter nach dem Undav-Dossier. Hoeneß zögert keine Sekunde. „Grundsätzlich will ich nicht viel zur Thematik sagen“, beginnt er – und erzählt dann doch. Was er sieht, ist ein Nationalteam mit zwei Siegen, einem spielfreudigen Kader und einem Stürmer, der das Tor zum 2:1 gegen Ghana macht. „Spielentscheidend“, sagt er, „das sind doch alles sehr positive Sachen.“

Die Kritik an Julian Nagelsmann? Hoeneß lässt sie abprallen. Der Bundestrainer hatte Undav als „starken Joker“ bezeichnet, dem bei einer Startelf-„Kreativität ein bisschen flöten“ gehe. Die Folge: Shitstorm in Schwaben, Applaus in Stuttgart. Hoeneß wirkt wie ein Mann, der weiß, dass jede zusätzliche Schlagzeile seinen Torjäger eher trägt als trägt. „Besser, wenn das Ding zur Ruhe kommt“, sagt er. Punkt.

Statistik statt stimmungsmache

Statistik statt stimmungsmache

Die Zahlen sprechen für sich. In 27 Pflichtspielen diese Saison stehen 17 Treffer und neun Assists – ein Bundesliga-Topwert für einen Angreifer, der oft erst nach 60 Minuten kommt. „Deniz muss in erster Linie genannt werden“, sagt Hoeneß und meint damit nicht nur die mediale Wahrnehmung, sondern die interne Hierarchie. Stuttgart hat mit Guirassy, Silas und Undav drei Tempogewinner, doch der Ex-Bremer hat sich den höchsten Marktwert erlaufen: 35 Millionen Euro laut Transfermarkt, Tendenz steigend.

Der Coach schlägt den Bogen zurück zum Klub. Am Samstag wartet Bochum, dann Gladbach, danach Europa-League-Viertelfinale. „Wir profitieren, wenn Deniz heiß zurückkommt“, sagt Hoeneß. Heiß bedeutet: nicht verbrannt vom Medienfeuer, sondern geladen vom Selbstvertrauen. Der VfB liegt zwei Punkte hinter Bayern, die Meisterschaft ist kein Märchen mehr. Undav könnte der entscheidende Zündfunken werden – egal, ob als Joker oder von Anfang an.

Hoeneß beendet das Gespräch mit einem Satz, der wie ein Zitat klingt, aber Programm ist: „Er soll weiterspielen, weitertoreln, weiterlachen – und wir werden sehen, wie weit das reicht.“ Keine Frage, kein Ausblick, keine Metapher. Nur die nüchterne Erkenntnis, dass der Sport sich selbst erklärt, wenn man ihn lässt.