Hoarau schlägt alarm: yb versinkt im tief, essende soll das 99-ikosaeder retten

29 Punkte Rückstand auf Leader Thun, Tabellenplatz sechs, Stimmung am Nullpunkt: Die Young Boys haben sich in eine Abwärtsspiralen manövriert, die sogar ihre grösste Legende auf den Plan ruft. Guillaume Hoarau, 118 Mal für YB getroffen, drei Meistertitel, ein Cupsieg, schüttelt den Kopf. „Das ist keine zufriedenstellende Bilanz“, sagt er zu blue Sport. Satz. Punkt. Fertig. Kein Zucker, kein Sahnehäubchen. Die Wahrheit tut weh, und sie kommt direkt aus dem Mund des Mannes, der die Nummer 99 einst zur Ikone machte.

Essende übernimmt das 99-kreuz – und hoarau gibt segen

Samuel Essende landete im Winter aus Augsburg, zog sich das Trikot mit der 99 über, das einst Hoarau trug. Telefonat gab es trotzdem. „Er hat mich angerufen, ich war gerade unterwegs“, erzählt Hoarau. Kein Drama, keine Hierarchie-Debatte. „Die Nummer war frei, ich bin ja keine Hall-of-Fame-Statue.“ Doch der Symbolwert ist riesig. Wer die 99 trägt, muss liefern. Tore. Kraft. Aura. Hoarau lacht kurz: „Ich hoffe auf viele Treffer von ihm. YB braucht einen, der die Kugel trägt und das Netz zerreisst.“

Die aktuelle Stürmer-Hierarchie ist längst nicht mehr klar. Chris Bedia führt mit Christian Fassnacht die Liga-Torschützenliste an – 15 Treffer. Trotzdem rutschte Bedia inzwischen auf Platz zwei des Sturm-Internums. Essende soll frisches Blut, neue Doppelpässe, neue Bedrohung bringen. Hoarau fordert Bedia deshalb auf, sich nicht verstecken. „Ihr könnt bringen, wen ihr wollt – ich spiele und mache Tore. Genau das muss in einem Topklub die Devise sein.“

Die misere hat system: erfolgs-dna verflüchtigt sich

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Was genau läuft schief? Hoarau bohrt nicht lange herum. „Es fehlt an vielem, das zeigen die Resultate.“ Die Zahlen sind gnadenlos: 29 Punkte Rückstand, nur 40 Tore erzielt, 34 kassiert. Die YB-Maschine stottert, die einstige Automatik funktioniert nicht mehr. Trainer, Management, Kader – alle stehen in der Pfanne. Hoarau fordert Konsequenzen, keine Kosmetik. „Der Verein muss daraus Lehren für die nächste Saison ziehen.“

Und dennoch: Er glaubt an die Wende. „Das Auf und Ab gehört zum Sport.“ Die Drohkulisse Abstiegsplayoff ist real, der Europacup-Platz ein Fernduft. Doch Hoarau kennt die Mentalität der Berner. „Ich vertraue darauf, dass sie wieder einen Weg auf die Erfolgsspur finden.“ Die Frage ist nur: Wie lange dauert es, bis die Spur sichtbar wird? Ein Sommer mit Umbruch, Transfer-Radau und vielleicht einem neuen Gesicht auf der Bank steht bevor. Die Uhr tickt. Die 99 wartet auf ihren neuen Helden. Und Hoarau wartet auf das alte YB.