Hjulmand selbst schuld: bayer 04 ohne dribbler und ohne ideen
Drei Spiele, ein Tor, fünf Chancen als Maximum – und das bei einem Verein, der noch vor wenigen Monaten als kreativste Offensive der Bundesliga galt. Bayer 04 Leverkusen ist offensiv so harmlos wie selten. Trainer Kasper Hjulmand hat das Problem inzwischen selbst benannt: Seinen Spielern fehlt die Durchsetzungskraft im Eins-gegen-eins. Nur hat er dabei vergessen zu erwähnen, dass er an diesem Missstand selbst mitgestrickt hat.
Fünf chancen gegen union, fünf gegen olympiakos – und dann noch weniger
Das 0:1 bei Union Berlin, das 0:0 gegen Olympiakos Piräus in den Play-offs der Champions League, das 1:1 gegen Mainz. Wer die Zahlen liest, glaubt zunächst an einen Zufall. Beim genaueren Hinsehen offenbart sich ein Muster. Gegen Mainz kreierte die Werkself gerade mal zwei Torchancen. Zwei. Ein Team, das unter Xabi Alonso Gegner zermürbt und zerschnitt wie ein Skalpell, findet gegen einen Mittelständler der Liga keinen Weg durch.
Hjulmand erklärte nach dem Mainz-Spiel, seine Mannschaft schaffe zu wenig aus den Eins-gegen-eins-Duellen. Richtig erkannt. Aber die Frage, die der 53-Jährige dabei offen ließ, ist die unbequemere: Wer hat dafür gesorgt, dass kein einziger Dribbler in dieser Startelf stand?

Eine startelf ohne einen einzigen echten dribbler
Von allen aktuellen Kandidaten für die Startelf ist Ibrahim Maza der einzige, dem man das Attribut des echten Dribblers zuschreiben kann. Gegen Mainz fehlte er wegen Knieproblemen – und kam nur als Joker. Was blieb, war eine Elf, die Ball zirkulieren lässt, kombiniert, aber niemanden hat, der einen Gegenspieler im direkten Duell einfach stehen lässt.
Das ist kein Zufall. Das ist die logische Konsequenz einer Kaderpolitik, die an entscheidenden Stellen nicht funktioniert hat.

Echeverri weg, ben seghir kaum gespielt – und hjulmand mittendrin
Im Sommer verlor Bayer 04 mit Florian Wirtz seinen überragenden Individualspieler an den FC Liverpool. Auch Jeremie Frimpong ging. Als Antwort holte der Klub Eliesse Ben Seghir von der AS Monaco und lieh Claudio Echeverri von Manchester City aus. Zwei Spieler, die genau das können sollten, was jetzt fehlt: Räume knacken, Gegenspieler narren, Spiele im Alleingang lösen.
Was folgte, war ernüchternd. Echeverri, ein feiner Dribbler auf engem Raum, passte Hjulmand taktisch nicht ins Konzept. Der Trainer bemängelte fehlende Disziplin. Der Argentinier verlor die Perspektive – und wechselte im Winter per Leihe zu FC Girona, wo er inzwischen regelmäßig zum Einsatz kommt. Einen Ersatz holte Leverkusen nicht.
Ben Seghir kam spät, brachte Schambeinprobleme mit, bekam kaum Spielzeit und stand im Winter kurz vor einer Rückleihe nach Monaco. Nur eine hartnäckige Sprunggelenkverletzung verhinderte seinen Abgang. Auch er hatte unter Hjulmand keine echte Chance bekommen.

Quantitativ viele optionen, qualitativ ein loch
Auf den Halbpositionen kann Hjulmand derzeit aus sechs Akteuren wählen: Maza, Malik Tillman, Martin Terrier, Jonas Hofmann, Alejandro Grimaldo und dem verletzten Ben Seghir. Dazu käme noch Ernest Poku als Flügelläufer. Sechs Namen, die auf dem Papier Optionen bedeuten.
Schaut man aber auf ihre Profile, ist das Bild eindeutig: Außer Maza und dem noch nicht fiten Ben Seghir befindet sich kein Spieler darunter, der einen Gegenspieler im direkten Duell wirklich in Bedrängnis bringt. Tillman kombiniert. Hofmann läuft. Terrier positioniert sich. Aber keiner von ihnen lässt einen Verteidiger auf dem falschen Fuß stehen.
Ein trainer, der seine eigene diagnose nicht zu ende denkt
Hjulmand hat das Problem erkannt – und spricht darüber, als wäre er selbst nur Beobachter. Dabei ist er Mitverursacher. Echeverri hatte keine Chance, weil ihm taktische Freiheit verweigert wurde. Ben Seghir kam kaum zum Spielen. Und als Echeverri im Winter ging, entschied sich der Klub bewusst dagegen, einen Dribbler nachzuverpflichten.
Jetzt, in den wichtigsten Wochen der Saison, sitzt Bayer 04 ohne Knotenlöser da. Gegen tiefstehende Gegner, gegen kompakte Fünferketten, gegen Mannschaften, die einfach warten und verteidigen. Und der Trainer, der das Problem öffentlich benennt, ist derselbe, der die Spieler, die es hätten lösen können, nie wirklich spielen ließ. Das ist keine Pechsträhne. Das ist ein strukturelles Problem – mit einem Namen.
