Ferrari weckt tifosi-hoffnung: hamiltons erster pfiff nach 19 jahren durststrecke

Lewis Hamilton dreht den Heckflügel seiner SF-26 auf der Geraden durch, als wäre es ein Toy-Auto – und die Königsklasse schaut auf. 19 Jahre nach Kimi Räikkönens letztem Titel flüstert Maranello wieder: Jetzt oder nie. Die Testrunden in Bahrain und Barcelona liefern keine Antwort, aber ein Gefühl: Ferrari ist laut.

Die lücke im reglement, die vasseur liebt

Der Trick ist so simpel wie genial. Statt die DRS-Klappe vollständig zu öffnen, kippen die Mechaniker den kompletten Flügel um eine vertikale Achse. Der resultierende Spalt ist kleiner als bei Mercedes oder McLaren, der Luftwiderstand trotzdem geringer. Die FIA schaut hin, findet aber keinen Regelbruch – schließlich steht nirgends, wie groß die Öffnung sein muss. „Ein klassisches Sandloch“, sagt ein Rivalen-Ingenieur und lacht bitter. „Wir dachten, die neue Ära wäre sauber. Stattdessen spielt Ferrari wieder Schach.“

Die Zahlen bestätigen den Eindruck. Auf den Geraden in Sakhir fehlten 0,18 Sekunden auf Red Bull – bei gleichem Motorprogramm. In den Kurven lag der rote Boliden sogar vorne, weil das neue Chassis die Reifen 3 Grad kühler hält und damit die berüchtigte Überhitze verhindert. Charles Leclerc raste in der letzten Testwoche 57 Runden am Stück mit einem Satz Medium – bis dahin eine Leistung, die nur Verstappen zutraute.

Hamiltons reset und die stimme aus der box

Hamiltons reset und die stimme aus der box

Intern heißt es, Hamilton habe „die Bremse“ gezogen. Nach Jahren des Selbstgesprächs in Silverstone wollte er wieder lernen, zu gewinnen. Also schickte er 34 WhatsApp-Fragen an seinen Renningenieur, ließ sich Videos von Schumachers Boxenstops 2000-2004 schneiden und bestellte zwei zusätzliche Simulator-Sessions – bezahlt aus eigener Tasche. „Ich bin nicht hier, um Tourist zu sein“, sagt er und klingt plötzlich wie ein Rookie, der seine letzte Chance kriegt.

Die Mechaniker spüren es. In der Baracca di Maranello, dem heimlichen Vereinsheim der Tifosi, steht seit Februar ein weißes Papp-Schild: „48 Rennen bis zum Titel.“ Jeder Sieg wird mit einem roten Strich versehen. Nach den Tests sind bereits zwei Striche gezogen – symbolisch, aber die Botschaft ist klar: Wir zählen runter.

Die saison beginnt mit einem 270 km/h-schlag ins gesicht

Die saison beginnt mit einem 270 km/h-schlag ins gesicht

Am Sonntag um 06:00 Uhr deutscher Zeit geht das Licht in Melbourne auf. Dann zeigt sich, ob die Testtage Lüge oder Wahrheit waren. Die Wetter-App verspricht 23 Grad und einen Wind aus nördlicher Richtung – perfekt für Ferraris Abtriebspaket. Die Buchmacher halten Red Bull trotzdem für Favorit, die Quote auf einen Ferrari-Titel liegt bei 5,2. Das ist weniger als 2019, als Leclerc in Bahrain fast gewann – und mehr als 2023, als das Team im Mittelfeld versank.

Was bleibt, ist das Gefühl: Ferrari ist wieder laut, schnell und ein bisschen verrückt. Genau das, was die Tifosi seit 2007 vermissten. Wenn Hamilton in der Albert-Park-Kurve zum ersten Mal voll aufs Gas geht, werden 19 Jahre Warten in einem Ton zusammenfallen – dem Motorenbell der Tifosi. Dann wissen wir, ob die Hoffnung reicht oder wieder nur ein neues Kapitel der Enttäuschung beginnt. Die Uhr steht auf 48 Rennen.