Hertha-boss görlich: dresden-eklat liefert munition für sicherheits-hardliner
Die Rauchfahnen sind abgebrannt, die Knüppel stecken noch in den Kofferräumen der sächsischen Bereitschaftspolizei – doch die Echos des Dresdener Desasters hallen bis ins Berliner Olympiastadion. Peter Görlich musste sich am Donnerstagabend im rbb-Studio rechtfertigen, warum ausgerechnet Hertha-Fans wieder das Matchplan-Molotow-Cocktail schmeißen durften.
„Wir haben der debatte einen bärendienst erwiesen“
Der Geschäftsführer wählt seine Worte so sorgfältig wie ein Schiedsrichter, der weiß, dass jeder Satz zur nächsten Strafverfügung wird. Die Bilanz nach fünf Tagen: 73 Platzverweise, zwei schwere Körperverletzungen, eine Pyro-Show der Extra-Klasse – und ein DFL-Verfahren, das laut Görlich „mit Sicherheit nicht bei einer Geldstrafe endet“. Die neue IMK-Richtlinie, gerade erst auf Weichspülung getrimmt, bekommt durch die Berliner Randalierer wieder scharfe Kanten. Sachsens Innenminister Schuster wettert bereits von „Gewaltfolklore“ und kündigt „drakonische“ Verschärfungen für die Juni-Konferenz an. Görlich klingt dagegen wie ein Mann, der merkt, dass sein eigener Fan-Dialog jetzt gegen ihn verwendet wird.
Die Ironie: Nach dem Schalke-Krawall im März hatte Hertha noch das Opfer-Kostüm angezogen, Polizeigewalt angeprangert und für mehr Fankultur geworben. Jetzt steht der Klub als Sinnbild für genau das, was die Sicherheitslobby schon immer behauptete: Fußball ist ein Pulverfass. „Wir reden weiter mit unserer Szene“, verspricht Görlich, „aber wir werden andere Antworten verlangen.“ Das klingt nach Hausverboten im dreistelligen Bereich – und nach einem Geldsegen für die DFL-Kasse.

Leitl bleibt, kader wird sich trotzdem drehen
Weil das Sportgericht Urteiltage braucht, lenkt der 59-Jährige auf das Feld um. Dort hat Hertha in der Rückrunde den dritten Platz geholt, 14 Punkte aus den letzten sechs Spielen. „Casting? Quatsch“, sagt Görlich, doch jeder Satz danach klingt wie ein Bewerbungsgespräch. Er lobt die „Widerstandsfähigkeit“ der Mannschaft, die in Dresden nach Roter Karte und Gegentor noch gewann. „Wenn wir so weitermachen, kommt vielleicht die Relegation – und dann schlagen wir dort zu.“
Ob Trainer Stefan Leitl dann noch auf der Bank sitzt? „Er ist unser Trainer“, antwortet Görlich knapp – so knapp, dass es nach einem „noch“ klingt. Der Geschäftsführer kündigt an, „dass sich einiges verändern wird“. Gemeint ist: Wer nicht liefert, fliegt. Die nächste Saison beginnt im Juli, die Strafverfügung der DFL wahrscheinlich früher. Görlich weiß: Er kann nur gewinnen, wenn seine Fans endlich aufhören, Feuer zu legen – sonst legt ihm Schuster das Feuer ans Dach.
