Hertha zehlendorf stolpert über sich selbst – punkt gegen meuselwitz rettet nicht vor dem abstieg
Die Regionalliga Nordost spuckt ihre Wahrheit aus: Wer hinten drin liegt, bekommt kein Geschenk. Hertha Zehlendorf musste das am 24. Spieltag wieder lernen. Nach 90 Minuten ramponierten Rasens und zahnloser Offensive stand ein 1:1 gegen Meuselwitz – und das Gefühl, dass die Saison jetzt endgültig rutscht.
Der rasen frisst den spielfluss
Schon die Anfangsphase war ein Lehrstück über Zustandsbedingt-Zerschlagenes. Der Platz im Ernst-Reuter-Sportpark wirkte, als hätte ihn ein Rudel Wildschweine vorwarm gemacht. Kurze Pässe hüpften, lange Bälle rollten ins Aus, nackte Stellen blitzten auf wie offene Wunden. Dazwischen: kleine Fouls, viel Gebrüll, null Tempo.
Die erste halbe Stunde ein einziges Stolpern. Meuselwitz’ Defensivriegel stand tief, Zehlendorf fand keine Lücke. Erste Torszene? Minute 37, Kopfball von Ben Schulz, geblockt. Es roch nach 0:0 zur Pause – und nach zwei Teams, die sich lieber nichts schenken wollten.

Ecke, abpraller, schulz – die kurze euphorie
Nach dem Seitenwechsel dann die Standard-Situation, die alles veränderte – für neun Minuten. Ecke von links, zweikampf, zweiter Ball, Schulz dreht sich frei und knallt die Kugel unter die Latte. 1:0, Zehlendorf. Der Block springt auseinander, 400 Zuschauer schreien sich die Seele aus dem Leib. Trainer Tilman Käpnick wirbelt die Arme, als wolle er die Uhr anhalten.
Die Idee: hinten dicht machen, vorne mit Kontern nachlegen. Die Realität: Meuselwitz dreht auf, Zehlendorf verliert die Ballsicherheit. Die Thüringer wechseln dreimal, stellen um auf Dreierkette, schießen jeden zweiten Ball in den Strafraum. Die Berliner Abwehr wirkt wie ein Flickenteppich, der sich langsam löst.

Kopfball fischer, pulsschlag 180
Minute 79: Flanke von rechts, Luis Fischer steigt höher als alle anderen, köpft aus sieben Metern ein. 1:1. Stille im Ernst-Reuter-Sportpark, nur das Meuselwitzer Bankgejohle schneidet durch die kalte Luft. Käpnick reagiert, schickt Diren Gäunay und Stanley Keller – beide Stürmer, beide eiskalt. Doch der Lucky Punch bleibt aus. Letzte Szene: Keller mit dem Abschluss, aber Meuselwitz-Keeper Robert Wulff fischt den Ball aus dem rechten Eck.
Endstand: ein Punkt, der wie eine Niederlage schmeckt. Zehlendorf bleibt Tabellenletzter mit neun Zählern, zwölf Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Die Restsaison? Ein Marathon mit Schuhen voller Löcher.
Die zahlen, die schreien
13 Spiele ohne Sieg, 16 Gegentore nach der 75. Minute, nur zwölf eigene Tore in 24 Partien. Die Statistik ist kein Zufall, sie ist das Spiegelbild eines Teams, das sich selbst nicht glaubt. Käpnick sagt nach Abpfiff: „Wir haben die zwei Punkte im Kopf verloren, nicht auf dem Platz.“
Am Horizont: Auswärtsspiel in Chemie Leipzig, dann Heimspiel gegen den FCC. Theoretisch noch sechs Mal die Chance auf ein Wunder. Realistisch? Die Liga hat Zehlendorf längst abgehakt. Wer so wenig Druck entwickelt, wird vom Klassenerhalt nicht mehr eingeholt.
