Hertha jagt den hattrick – ohne reese, ohne aufstiegsträume

Das Olympiastadion wird am Samstagabend wieder zum Kessel. 46.000 Fans wollen den dritten Sieg in Folge sehen, doch die großen Aufstiegsreden hat Trainer Stefan Leitl längst gestrichen. „Nicht realisierbar“, sagt er knapp über die Lücke von acht Punkten zu Platz drei. Stattdessen steht jetzt ein anderes Thema im Raum: Wie schlägt sich Hertha BSC gegen den VfL Bochum ohne ihren Topscorer Fabian Reese?

Der Flügelspieler muss zuschauen – fünfte Gelbe Karte. Eine Zahl, die in Berlin nervös macht. Reese steht bei zwölf Saisontreffern, kein Mitspieler kommt auch nur halbwegs ran. Seine Absenz wirft die Frage auf, wer die Lücke reißt. Die Antwort könnte ein 18-Jähriger liefern: Boris Mamuzah Lum. Noch kein Startelfeinsatz, aber ein Name, der seit Wochen durch die Kabine geistert. „Lum hat Tempo und tut sich leicht mit engen Räumen“, schwärmt Co-Trainer Andreas Neuendorf nach dem Abschlusstraining. Sollte auch Kevin Sessa seine Blessur nicht rechtzeitig auskurieren, rückt der Junioren-Nationalspieler direkt in die erste Elf.

Uwe rösler reist als angstgegner zurück

Bochums Coach kennt sich in Berlin aus. 1999 lief er selbst im TeBe-Trikot über den Platz, damals noch als Stürmer, der jeden Zweikampf suchte. Jetzt kehrt er mit dem VfL zurück – und bringt eine Statistik mit, die Hertha-Fans frostig werden lässt: 29 Punkte aus 17 Spielen seit seinem Amtsantritt, Platz vier in der Rösler-Tabelle. „Die Jungs haben gelernt, dass ein 3:0 nicht reicht, wenn man nachlässt“, sagt Rentsch und spielt auf das Hinspiel an, das Bochum nach 60 Minuten schon 3:0 führte und am Ende nur 3:2 gewann.

Timo Horn ist der neue Held im Tor. 75,4 Prozent gehaltene Schüsse – Spitzenwert der Liga. Achtmal blieb er ohne Gegentor, oft genug, um Unentschieden zu retten. „Wenn Horn wieder so eine Glanzparade hinlegt, wird es eng für Hertha“, warnt Rentsch. Die Berliner haben daheim nur eins der letzten sechs Spiele gewonnen. Die Zahlen sprechen gegen das Klischee des sicheren Heimfavoriten.

Die Personalie Deyovaisio Zeefuik zeigt, wie dünn die Decke ist. Der Niederländer fällt weiter aus, Diego Demme und Maurice Krattenmacher sitzen zunächst nur auf der Bank. Dafür rückt Marten Winkler direkt in die Startformation. Der Ex-Nürnberger lieferte in Münster eine starke Vorlage ab, nun soll er Reese’ Speed ersetzen. Neben ihm flüstert man sich zu: Pascal Klemens trainiert weiter einzeln – Vertragsverlängerung offen, Einsatz noch verschlossen.

46.000 Fans warten auf den befreiungsschlag

46.000 Fans warten auf den befreiungsschlag

Die Stimmung im Block Ost ist aufgeheizt. Zwei Siege haben das alte Selbstvertrauen zurückgebracht, doch die Erinnerung an verpatzte Heimspiele sitzt tief. „Wir wollen endlich wieder eine Serie starten, die länger als zwei Spiele hält“, sagt Fan-Sprecher Nico Schröder. Die Kurve wird spontan ein Choreo-Requisit auspacken: „Hattrick der Geduld“ steht auf einem 30-Meter-Banner. Die Botschaft ist klar – nicht nach vorne schauen, sondern den nächsten Schritt machen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Hertha braucht den Sieg, um nicht abzurutschen. Bochum braucht den Punkt, um endgültig Luft nach unten zu haben. Die Wahrscheinlichkeit spricht für ein Remis, die Leidenschaft für einen Abend, der die Saison noch einmal aufrollen könnte. Wenn Lum trifft und Horn patzt, ist das Tableau wieder offen. Wenn nicht, bleibt die 2. Liga ein Jahr länger Heimspielort – und die Geduld wird zur Zitterpartie.