Sebastien frey zerlegt fiorentina: „keine führung, keine zukunft“
Sebastien Frey hat den Klub, dem er 2009 noch den Pokal der Italienischen Meisterschaft entreißt, öffentlich vernichtet. Im Podcast Calcio Franco sprach der frühere Nationaltorhüter von einer „Katastrophensaison“, von „fehlenden Anführern“ und von einem Sportdirektor, der ihm die Karriere in Florenz „vermasselt“ habe. Die Wut sitzt tief – und trifft mitten ins Herz der aktuellen Mannschaft.
Corvino-attacke: „hätte in den balkanländern geboren werden müssen“
Frey wirft dem langjährigen Manager Pantaleo Corvino Intrigen vor. „Er hatte ein Netzwerk, das ihm half, Spieler zu finden, aber wenn du ihm nicht passtest, warst du weg“, sagt der 44-Jährige. Die Anspielung auf die Balkan-Connection ist nicht subtil: Corvino baute jahrelang auf Agenturen aus Serbien, Kroatien und Bosnien. Frey behauptet, dass genau diese Seilschaften seinen Abschied 2011 beschleunigten – trotz laufenden Vertrags und angeblichem Interesse von Milan und Bayern München. „Ich habe verlängert, weil ich Fiorentina liebte. Corvino machte mir das Leben zur Hölle.“
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In der Saison 2010/11 kassierte Frey in 35 Pflichtspielen 33 Gegentore – beste Quote der Liga. Dennoch wurde er nach Genoa abgeschoben. „Charisma war offenbar ein Fehler“, so Frey trocken.

Kein kommandant im dress von lilien-violett
Der Kern seiner Kritik trifft die aktuelle Truppe. „Wir hatten drei, vier Typen, die im Training schon Befehle verteilten – heute sehe ich niemanden, der die Verantwortung übernimmt.“ Als Beispiel führt er David de Gea an, den neuen Schlussmann: „Er zieht sich den Mist der Mannschaft mit, aber er kann nicht allein aufräumen.“ Tatsächlich kassierte Fiorentina in dieser Serie A bereits 42 Treffer – nur drei Klubs sind schlechter.
Frey zweifelt auch an der angeblichen Stärke des Kaders. „Ranieri und Mandragora sind gute Fußballer, aber keine Feldgeneräle.“ Die Folge: Nach Rückständen bricht das Team ein. Statista liefert den Beweis: Von 14 Spielen, in denen die Toskaner in Rückstand gerieten, holten sie nur fünf Punkte.
Vanoli steht zwischen den fronten
Raffaele Palladino war nach dem Rauswurf von Vincenzo Italiano ein Kompromiss, um die Saison zu retten. Frey sieht im aktuellen Coach einen „Arbeitstier“, aber nicht den Heilsbringer. „Er muss die Fehler von Pioli korrigieren – und das in einem Klima, das nach 20 Minuten ohne Tor pfeift.“ Die Curva Fiesole macht Druck, die Spieler verkrampfen. Der Auftrag: Mindestens 17. Platz, um die Lizenz nicht zu riskieren. Die Tabelle zeigt Platz 15 – drei Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz.
100-Millionen-investition als trostpflaster
Ein Lichtblick ist laut Frey das Trainingszentrum Viola Park – 100 Millionen Euro verschlang die Anlage. „Wir haben auf matschigen Feldern trainiert und uns in der Kabine des Stadions umgezogen – mit Viola Park hätten wir damals die Meisterschaft gewonnen“, schmunzelt er. Besitzer Rocco Commisso habe geantwortet: „Wahrscheinlich schon.“ Doch moderne Gebäude ersetzen keine Führungsspieler. Frey wettert: „Struktur allein rettet keine Saison, wenn Charakter fehlt.“
Die Uhr tickt. Noch acht Spiele, die über Klassenerhalt oder Abstieg entscheiden. Frey glaubt an den Klassenverbleib – „weil andere Teams noch schlechter sind“. Aber er warnt: „Das rettet keine Ehre. Diese Saison ist bereits gescheitert.“
Seine letzte Botschaft richtet sich an die Spieler: „Wenn ihr nicht endlich eine Stimme im Kader findet, wird Florenz nächstes Jahr in Serie B spielen – und das nach einer Investition von über 200 Millionen Euro in fünf Jahren.“ Die Zahlen sind hart, die Wahrheit noch härter. Für Fiorentina beginnt jetzt die Stunde der Wahrheit – mit oder ohne Führung.
