Kovac zögert, doch der bvb-coup könnte aus dem eigenen nachwuchs kommen
Niko Kovac hasst Risiken. Doch genau das könnte seine größte Schwäche sein. Während der BVB nach dem 2:1 in Köln mit neun Punkten Vorsprung auf die Champions-League-Ränge dümpelt, brodelt es hinter den Kulissen: Soll der Coach jetzt endlich die Kids spielen lassen?
Die winter-gespräche, die niemand mitbekam
Im Januar schlugen Watzke und Kehl den Bogen nach vorne. Sie erklärten Kovac, dass die Pipeline aus dem Knappenlager wieder offener werden muss. Das Protokoll dieser Runde liegt Sport1 vor: „Wir wollen Durchlässigkeit, sonst verlieren wir die Jungs an Leeds, Salzburg oder Leverkusen“, zitiert ein Zeuge. Kovac nickte, aber er handelte nicht. Stattdessen setzte er auf Süle, Can und den erfahrenen Block. Ergebnis: drei Siege in sieben Runden, dazu ein flaues Gefühl im Stadion.
Filippo Mané war der Fingerzeig. Als Hummels, Schlotterbeck und Ryerson fehlten, rückte der 19-jährige Abwehrbock gegen Paris und Stuttgart in die Startelf – und schob sich mit 21 Ballgewinnen in die Top-10 der Liga. Dann ging das Knie, Pausen-Szene. Der Klub schwieg, Mané weinte. Die Botschaft: Der Körper der Talente ist fragil, aber ihre Seele brennt.

Albert, reggiani, inacio – die drei namen, die das budget retten
Luca Reggiani durfte gegen Wolfsburg ran, erlebte 68 Minuten Anerkennung, danach Bank. Mathis Albert, 17, ballte in der U19 diese Saison bereits 18 Torbeteiligungen auf 20 Einsätze. Samuele Inacio debütierte gegen Bayern, schlug zwei hereingaben, lief 31 Minuten – und wurde wieder runtergekurbelt. Die Gehaltsliste lügt nicht: Süle und Brandt kosten zusammen 24 Millionen Euro brutto pro Jahr. Albert und Inacio kosten 400.000. Der Unterschied ist ein Stürmer-Transfer oder ein Jahres-Sponsoring.
Kovac spricht von „Ergebnisverantwortung“. Doch die Tabelle lügt: Bayern ist elf Punkte weg, die Meisterschaft abgehakt. Platz zwei ist gesichtert, selbst wenn der BVB drei Spiele verliert. Die einzige Frage lautet: Wollen wir 2027 mit denselben 29-Jährigen spielen oder mit 21-Jährigen, die 2029 40-Millionen-Transfers werden?

Die angst vorm kalten wasser ist ein mythos
Sedlbauer irrt sich in einem Punkt: „Ins kalte Wasser werfen“ klingt nach Pionier-Pathos. Die Kids sind längst drin. Sie trainieren seit Jahren mit der Profi-Gruppe, kennen die Automatismen, die Laufwege, die mediale Großwetterlage. Was ihnen fehlt, ist keine Erfahrung – sondern das Datum auf der Uhr. Ein Spieltag reicht, um einen Marktwert zu verdoppeln. Das weiß auch der Vorstand, der am 30. Juni Bilanz ziehen muss.
Kovac wird nicht plötzlich zum Querdenker. Aber er kann rechnen. Gegen Mainz und Union fehlen Offensiv-Kräfte. Wenn da nicht jetzt ein Reggiani beginnt, wann dann? Die Alternative lautet: weitere 90 Minuten Schulterblick auf die Bank, wo Talente verstauben und Berater bereits Anrufe aus England entgegennehmen.
Borussia Dortmund lebt von diesem Spagat: Heute gewinnen, morgen verkaufen. Die Balance war einst Sahin, dann Lewandowski, später Sancho und Bellingham. Das nächste Kapitel steht offen. Die Frage ist nur, ob Kovac es aufschlägt – oder ob er das Buch weitergibt.
