Hertha jagt den dreier gegen bochum – ohne kapitän reese
Hertha BSC muss am Samstagabend gegen den VfL Bochum auf Fabian Reese verzichten – und genau das könnte die entscheidende Schwäche bleiben, wenn die Berliner den dritten Sieg in Folge schaffen wollen. Im Olympiastadion steht nicht nur der Anschluss an das Aufstiegsrennen auf dem Spiel, sondern auch die Frage, ob Stefan Leitl seine Mannschaft ohne ihren emotionalen Anführer auf Kurs halten kann.
Reese fehlt – und mit ihm die stimme auf dem platz
Die fünfte Gelbe Karte traf den Kapitän in der vorletzten Partie, nun rückt Jermy Dudziak in die Startelf. Eine Lösung, die Leitl betonte, „funktional“ sei – doch hinter den Kulissen ist bekannt, wie sehr Reese die jungen Mitspieler führt. Ohne ihn muss Kevin Sessa die Kommandos übernehmen, während Boris Mamuzah Lum, 18, erstmals ernsthaft für die Startelf gehandelt wird. Sein Debüt könnte das Zeug zum Symbol werden: entweder als Aufbruch oder als Notlösung.
Bochum reist mit breiter Brust an. Seit Uwe Rösler das Ruder übernahm, kassierte die Mannschaft nur eine Niederlage in elf Spielen – 1:2 in Düsseldorf, sonst nichts. Mit 32 Punkten auf Platz zehn haben die Westfalen den Klassenkampf verlassen und schielen sogar nach oben. Ihre defensive Ordnung lässt nur 0,9 Tore pro Spiel seit der Winterpause zu – ein Wert, der Hertha das Leben schwer machen dürfte.

Der plan leitl: druck ablegen, chancen nutzen
Der Hertha-Coach redete sich auf der Pressekonferenz heraus, „keine Ziele mehr auszurufen, die nicht realisierbar sind“. Doch die Rechnung ist simpel: Bei acht Punkten Rückstand auf Platz drei muss jeder Dreier her, sonst ist die Saison vorzeitig gestorben. Die letzten beiden Siege – 3:1 gegen Nürnberg, 2:0 in Münster – schürten Hoffnung, aber die Tordifferenz ist mit minus 5 das schlechteste aller Aufstiegskandidaten.
Die Aufstellung verrät Leitls Intention: Dardai und Gechter als Doppel-Sechs, Cuisance als freier Achter vor der Abwehr – ein Mittelfeld, das Bochums Lenz und Bero aushebeln soll. Vorne lauert Kownacki, der in den letzten beiden Spielen drei Tore erzielte. Gegenüber steht mit Patrick Hofmann ein Neunerkandidat, der in Röslers System wie Uhrwerk läuft und schon 12 Saison-Tore auf dem Konto hat.
Die Zahlen sprechen für sich: Hertha gewann nur eins der letzten fünf Heimspiele gegen Bochum, das Hinspiel ging 2:3 verloren – trotz 60-prozentiger Ballbesitzquote. Wenn die Berliner diesmal früh treffen, könnte das Stadion kochen. Verpassen sie aber die erste Großchance, schleicht sich schnell jene Unsicherheit zurück, die die komplette Hinrunde prägte.
Kick-off ist um 20:30 Uhr, die Temperatur bei sieben Grad, leichtem Regen – perfekte Bedingungen für ein Kampfspiel. Wer live dabei sein will, kann den Audio-Livestream von rbb24 einschalten oder unseren Ticker verfolgen. Die 90 Minuten werden zeigen, ob Hertha ohne Reese noch zubeißen kann – oder ob Bochum die nächste kleine Sensation schafft und die Berliner endgültig abhängt.
Am Ende zählt nur das Ergebnis. Für Hertha heißt das: Sieg oder Saisonende. Die Uhr tickt.
