Hellwig kehrt zurück: zweiter platz in haikou wie ein sieg
Zwei Sekunden. Nur zwei Sekunden fehlten Tim Hellwig am Samstag in Haikou, um seinen ersten Einzel-Weltcupsieg seit Olympia zu feiern. Der 26-Jährige schlug nach 1:45:32 Stunden als Zweiter an – und lächelte wie nach Gold.
Die Zuschauer am Strand von Haikou wussten nicht, was sie da sahen: Ein Athlet, der vor anderthalb Jahren noch mit Krücken durch den Saarbrücker Park tapste, jagte dem Briten Oliver Conway um die letzte Boje. „Ich habe nur gedacht: Hau rein, du hast nichts zu verlieren“, sagte Hellwig danach. Seine Stimme kratzte, die Beine brannten. Perfekt.
Die verletzung, die alles stoppte
Gold von Paris war noch warm, da riss das Knie. Eine Patellasehnen-Entzündung, bösartig, chronisch. Plötzlich war der Held der Mixed-Staffel ein Patient. Kein Training, keine Wettkämpfe, nur Reha. „Ich habe die ersten drei Monate kaum geschlafen“, erzählt Hellwig. „Die Frage war nicht, ob ich zurückkomme, sondern ob ich jemals wieder schmerzfrei laufen kann.“
Am Samstag lief er in die Rotunde von Haikou – und hinterließ dort seine Zweifel. 18 Kilometer Lauf, 40 Rad, 1,5 schwimmen. Die Statistik zeigt Platz zwei, seine Blicke sagen: Ich bin wieder wer. „Der zweite Rang fühlt sich an wie ein Sieg, weil er beweist, dass die monatelange Einsamkeit nicht umsonst war.“

Frauenfeld: schierl kämpft sich durchs mittelfeld
Während Hellwig jubelte, schuftete Finja Schierl auf Rang 17. Die 24-jährige Thüringerin war die einzige deutsche Starterin im Damenfeld und lag nach dem Radfahren noch in Schlagdistanz zur Top-Ten. Dann kam die Laufhitze Chinas. „Ich habe gemerkt, dass mir die Kilometer in den Beinen fehlen“, sagte sie. Dennoch: Kein DNF, kein Ausrutscher, nur harte Realität. Sieg geholt hat Dijana Isakowa, Russland, mit 1:59:01 Stunden – vier Min vor Schierl.
Der deutsche Verband atmet auf: Hellwig liefert das Signal, Schierl liefert die Arbeitsmoral. In zwei Wochen geht’s nach Abu Dhabi. Hellwig nickt: „Mein Knie erlaubt mir, wieder anzugreifen. Und ich habe noch eine Rechnung offen – mit Oliver Conway.“
