Hc erlangen zieht konsequenz: tin herceg bleibt – und das ist kein geschenk

Tin Herceg hat nicht verlängert, er hat sich festgebissen. Der 21-jährige Kroate unterschreibt beim HC Erlangen, bevor andere Klubs überhaupt richtig wach werden. Die Botschaft ist klar: Die Mittelfranken wollen nicht nur die Klasse halten, sondern auch die Zukunft sichern – und zwar mit einem Torhüter, der erst seit Oktober da ist.

29 Prozent fangquote – und plötzlich ist minden nur noch nebensache

29 Prozent fangquote – und plötzlich ist minden nur noch nebensache

Die Zahl steht wie ein Exklamationszeichen über dem Wochenende. Zehn Paraden, 29 Prozent Fangquote, 36:31 gegen GWD Minden. Für Herceg war das kein Einzelfall, sondern die logische Folge von Monaten, in denen er in der 3. Liga gegen halbstarke Amateure und in der Bundesliga gegen Weltmeister gedopt hat. Johannes Sellin redet deshalb nicht von „Potenzial“, sondern von „verdienten Spielzeiten“. Das klingt nach Plan, nicht nach PR.

Der Plan hat einen Namen: Nachwuchs ohne Netz. Herceg kam über die U23, weil der Klub nicht mehr nur scouten, sondern selbst formen will. Die Rechnung geht auf. Statt teurer Importe aus Skandinavien oder dem Balkan setzt Erlangen auf einen, den sie schon vor der Pubertät auf dem Schirm hatten. „Ich beobachte Tin schon seit Jahren“, sagt Sellin – und meint damit, dass der Klub langfristiger denkt als manch Konkurrent, der erst dann handelt, wenn der Klassenerhalt schon wieder nur über Torverhältnisse läuft.

Für Herceg selbst klingt der Verbleib nicht nach Routine, sondern nach Vorsatz. „Ich glaube an die Vision des Vereins“, sagt er – und das ist im Protokollwort für: Hier darf er Fehler machen, ohne dass sofort der nächste Schlussmann aus Leipzig oder Kiel als Retter gehandelt wird. Die Kurve, die er seit Herbst fährt, ist steil, aber nicht steiler als seine Erwartungshaltung. Wer in der 3. Liga anfängt und in der 1. Bundesliga pariert, der braucht keine Halbwertszeit, sondern eine Heimat. Pelkum, Neustadt, Erlangen – für Herceg ist das kein geografischer Unterschied, sondern ein Entwicklungsprogramm.

Vertragslänge? Schweigen. Das hat Methode. Der Klub verzichtet auf laute Jahrezahlen, weil er weiß: In der HBL zählt nicht, bis wann jemand papierlich gebunden ist, sondern bis wann er sich sportlich erweisen muss. Herceg hat sich schon jetzt erweisen – und damit die nächste Personalie verhindert, bevor sie überhaupt an die Öffentlichkeit gerät. Wer in Erlangen verlängert, der spielt nicht für die Galerie, sondern für die Tabelle. Und die sagt: Ohne diese zehn Paraden wäre Minden ein Desaster gewesen. Mit ihm ist es ein Lehrstück. Die Lehre: Wer früh bindet, spart späte Panik.