Hawkins zertrümmert lisowski und kassiert welsh-open-thron
Barry Hawkins brauchte nur eine Session, um Jack Lisowski in die Knie zu zwingen. 7:1 nach der Mittagspause – danach war die walisische Meerluft im Venue Cymru verbraucht. Am Ende leuchtet die Anzeigetafel 9:5, und Hawkins schlägt mit flacher Hand aufs grüne Tuch: sein fünfter Ranglistertitel, der erste seit drei Jahren.
Die session, die alte rechnungen begleicht
Hawkins spielte wie entfesselt. Breaks von 95, 128 und 74 schmissen Lisowski aus der Bahn, der zwischen den Frames wie ein Mann wirkte, der vergessen hatte, wie man atmet. Die fünfte Frame-Pause war keine Erholung, sondern ein Gerichtstermin: Hawkins zog davon, Lisowski folgte wie durch Nebel. Der 31-Jährige gestand später, er habe „kein einziges Safety-Duell gewonnen, weil Barry jeden Ball vorhersah“.
Der Abend versprach Spannung, lieferte aber nur kurzen Widerstand. Lisowski verkürzte auf 5:8, doch als Hawkins im 14. Frame eine verzweifelte Lösung fand, war der Widerstand gebrochen. Der Matchball rollte langsam, fast spöttisch, ins Eckloch – ein Bild, das Hawkins mit geschlossenen Augen genoss.

Rückenschmerzen, rentenkasse, rendite
Der 46-Jährige hatte das Turnier vor drei Wochen noch abgesagt – Bandscheibe, lumbale Ischämie, keine Trainingsstunden. Dann kam die Physio, ein paar Schmerztabletten, und plötzlich stand er wieder auf dem Teppich. „Ich wusste, wenn ich nur auftreten kann, kann ich auch gewinnen“, sagte er und klang dabei wie ein Mann, der sich selbst nicht mehr glaubt, bis der letzte Ball fällt.
Die Siegprämie von 80 000 Pfund schmilzt seine Saisonbilanz auf plus 185 000, ein Betrag, der seine Trainerkarriere nach der Karriere finanzieren wird. Für Lisowski bleibt die trostlose Erkenntnis: fünf Finals, keine Trophäe seit 2022. Die Statistik nagt an ihm, nicht an seinen Schlägen.
Die Venue Cymru entlässt die Zuschauer nach Mitternacht. Draußen peitscht ein Februarsturm gegen die Fassade, drinnen trägt Hawkins den Pokal wie einen Schild. Keine Rede von „Traum“ oder „Kreuz“, nur ein kurzer Satz, der alles sagt: „Ich bin zu alt, um noch zu hoffen – aber nicht zu alt, um zu treffen.“
