Hassattacken auf kommentatorinnen: zdf-sportchef schockiert
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika steht vor der Tür, doch der Vorfreude trüben dunkle Schatten: Yorck Polus, der ZDF-Sportchef, hat sich in der Öffentlichkeit äußerst kritisch über die zunehmende Welle von Hasskommentaren im Netz gegen seine Kolleginnen geäußert. Ein deutliches Signal im Vorfeld des Großereignisses.
Die anonymität als deckmantel für beleidigungen
Polus zeigte sich fassungslos angesichts der Heftigkeit und des Geschlechtsbezugs vieler dieser Angriffe. „Was in diesen Köpfen vorgeht, die sich hinter Anonymität verstecken und Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Stimme beschimpfen, ist schlichtweg unbegreiflich“, erklärte er gegenüber dem SID. Besonders die ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann, die auch bei der WM im Einsatz sein wird, ist bereits seit längerem Ziel solcher Attacken. Dabei geht es selten um konstruktive Kritik, sondern um puren Hass.
Es ist ein Problem, das sich immer wiederholt. Gerade bei Live-Übertragungen passieren Fehler – das ist menschlich. Doch die anonymen Beleidigungen sind eine neue Dimension erreicht. Polus betonte, dass er grundsätzlich offen für Diskussionen sei, aber die schiere Anzahl und der aggressive Tonfall dieser Kommentare seien inakzeptabel. „Wir müssen uns als Branche und als Gesellschaft dieser Entwicklung entgegenstellen.“

Frauenpower im zdf-team
Trotz der negativen Erfahrungen setzt das ZDF weiterhin auf Frauen in wichtigen Positionen. Katrin Müller-Hohenstein wird im WM-Studio in Berlin moderieren, während Lili Engels die deutsche Nationalmannschaft in Winston-Salem, North Carolina, begleitet. Ein Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung für weibliche Expertise im Sport.

Rechte-poker und qualität
Neben den persönlichen Angriffen äußerte sich Polus auch zur Vergabe der Übertragungsrechte. Das ZDF und die ARD zeigen gemeinsam 30 WM-Spiele, während MagentaTV alle 104 Partien streamt. „Das Paket mit 60 Spielen, das ARD und ZDF gemeinsam erworben haben, passt für uns“, so Polus. Die FIFA hatte gehofft, durch die Erhöhung der Anzahl der Spiele deutlich mehr Einnahmen zu generieren. Doch am deutschen Markt scheint dieser Effekt begrenzt geblieben zu sein. Die Frage ist, ob die gesteigerte Quantität tatsächlich zu einer höheren Qualität der Spiele führt. Die Sublizenzen für die 60 Partien brachten den öffentlich-rechtlichen Sendern offenbar 152 Millionen Euro ein – ein beträchtlicher Betrag, der die Diskussion um die Wirtschaftlichkeit der Rechtevergabe weiter anheizt.
Die Hasskommentare sind ein trauriger Spiegelbild der Gesellschaft und zeigen, wie wichtig es ist, sich gegen jede Form von Diskriminierung und Beleidigung zu stellen. Nur so kann der Sport ein Ort der Freude und des fairen Spiels bleiben.
