Harakaté zieht, kiteishvili rettet: die torjäger, die die bundesliga jetzt beherrschen
Ramiz Harakaté trifft – der GAK jubelt. Otar Kiteishvili doppelt – Sturm atmet auf. Johannes Eggestein netzt ein – die Austria jubelt wie beim legendären Acimovic. Die 21. Runde der Bundesliga war ein Feuerwerk der individuellen Klasse, das die Tabelle nachhaltig durchrüttelt.
Die ungeschlagene faust des franzosen
Sechs Spiele, sieben Tore, keine Niederlage. Harakaté ist nicht nur GAK-Torjäger, er ist GAK-Garant. Die Statistik ist so schlicht wie brutal: Wenn der Franzose trifft, verlieren die Steirer nicht. Die GAK-Fans haben das Lied schon parat: „Ramiz, Ramiz, unser Glücksmensch.“
Der 25-Jährige schlägt keine Haken, er schlägt ein. Kein Platzraum wird verschenkt, kein Zweikampf ausgelassen. Trainer Hütter nennt ihn „unseren Kompass“ – weil er immer nach Norden zeigt, Richtung Tor.

Kiteishvili schreibt geschichte – und zwar live
Während andere überlegen, wie sie in die Geschichtsbücher kommen, schreibt der Georgier einfach weiter. Mit seinem Doppelpack in Wolfsberg ist er der erste Spieler, der in zwei aufeinanderfolgenden Bundesliga-Saisons mindestens zehn Tore erzielt. 2024/25 zwölf, jetzt schon zehn – und die Rückrunde steht noch bevor.
Der 27-Jährige ist kein klassischer Stürmer, aber ein Mörder im Strafraum. Sein Antritt bei 0:1? Ein Akt der Selbständigkeit. Sein Kopfball zum 2:2? Ein Lehrstück für alle, die glauben, Größe zähle nur in Zentimetern.

Eggestein flirrt wie einst acimovic
Johannes Eggestein trifft seit fünf Spielen am Stück – das schaffte zuletzt Milenko Acimovic vor 15 Jahren. Der Vergleich hinkt nicht, der Vergleich brennt. 15 direkte Torbeteiligungen (9 Tore, 6 Vorlagen) machen ihn zum Top-Scorer der Liga, noch vor Salzburg-Stars und Sturm-Größen.
Was ihn auszeichnet: Er rennt nicht hinter dem Ruhm her, er läuft ihn einfach über die Außenbahn. Gegen den LASK hämmerte er den Ball aus 18 Metern unter die Latte – keine Pose, pure Wucht. Die Austria-Fans rufen nach einem neuen Vertrag. Eggestein selbst lacht: „Ich arbeite nur meine Schicht ab.“
Die joker, die alles verändern
Christoph Lang traf als Einwechselspieler zum vierten Mal – nur Salzburgs Yorbe Vertessen kann mithalten. Moses Usor schraubte seine Saisonbilanz auf acht Treffer, so viele wie in seinen ersten drei Bundesliga-Jahren zusammen. Nikolai Baden Frederiksen schoss in seinem 55. Bundesliga-Spiel seinen ersten Dreierpack – und prompt zwei Freistöße rein. Letzter, der das schaffte: Kiril Despodov im Juni 2020.
Die Bundesliga wird nicht mehr nur gespielt, sie wird entschieden auf der Bank. Wer zuerst wechselt, gewinnt.
Der tag, an dem dragovic die zeit anhielt
Aleksandar Dragovic traf erstmals seit 5.565 Tagen. Dazwischen lagen mehr als 15 Jahre, zwei Länder, drei Klubs – und ein Rekord, der Toni Polster beerbt. Der 33-Jährige köpfte Altach zum 1:0-Sieg gegen Blau-Weiß Linz. Trainer Zaric nannte es „ein Tor mit Geschichtsbuch-Charakter“. Dragovic selbst wischte nur den Schweiß ab: „Ich wusste, dass der Ball irgendwann wieder reingeht.“
Salzburg blutet – und hartberg feiert
0:0 in Salzburg, aber keine Nullnummer. Karim Konaté jagte die Hartberger mit 19 Ballaktionen im Strafraum – Bundesliga-Rekord. Er schoss acht Mal, traf aber kein Mal. Die Oststeirer blieben zum sechsten Mal auswärts ungeschlagen, ihre längste Serie seit dem Aufstieg 2018. Trainer Foda sprach von „einer Saison-Leistung“, Keeper Swete von „einem Tag, den wir uns merken“.
Salzburg? Erstmals seit 14 Runden ohne Tor. Die Meisterschaft ist offen, die Nerven liegen blank.
Die tabelle lügt nie – aber sie schummelt manchmal
Nach 21 Runden führt Sturm mit 44 Punkten, dicht gefolgt von Salzburg (42) und der Austria (40). Der GAK steht mit Harakaté als Lebensversicherung auf Platz fünf. Die LASK-Offensive um Usor und Lang brennt auf Platz vier. Altach hat unter Zaric vier Spiele nicht verloren – und Dragovic als Zeitlupen-Held.
Die Bundesliga ist kein Marathon mehr, sie ist ein Sprint mit Hürden. Wer jetzt zögert, fliegt. Wer trifft, lebt.
Und wer nächste Woche wieder trifft, bestimmt über Titel und Abstieg. Die 22. Runde startet am Freitag. Harakaté wird wieder laufen. Kiteishvili wird wieder schieben. Eggestein wird wieder jubeln. Die Liga wartet nicht – und die Tore auch nicht.
