Hannover 96 verspielt den aufstieg: fürth-schlappe schmerzt tief

Die Heinz-von-Heiden-Arena bebte nicht vor Begeisterung, sondern vor Verzweiflung. Hannover 96, sonst Meister der Effizienz, schoss sich am Sonntag eine ganze Saison durcheinander. Die 1:2-Heimpleite gegen Greuther Fürth war kein Ausrutscher – es war die Zusammenfassung aller Angstträume eines Aufstiegskandidaten.

Christian Titz stand mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, als hätte jemand seinem Team die Schnürsenkel zugebunden. Die Statistik lügt nicht: Zwölf hochkarätige Chancen, ein Tor, dazu ein verschossener Strafstoß. Das reicht nicht für Rang zwei, das reicht kaum für Rang fünf.

Kapitän enzo leopold trifft die mitte – leider die des balles

Der Elfmeter in der 62. Minute war gedacht als Befreiungsschlag. Leopold lief an, stoppte kurz, schoss dann genau dort, wo Silas Prüfrock bereits stand. Der Fürther Keeper musste nicht mal springen. Die Nordkurve verstummte für fünf Sekunden, dann kam der Pfiff. Es war kein Buhruf, es war ein Aufschrei der Erkenntnis: Auch der Captain trägt die Nervosität wie ein nasses Trikot.

Maurice Neubauer traf noch, aber sein Treffer wirkte wie ein Trostpreis in einem Lotterielos, bei dem alle anderen Zahlen danebenlagen. Die Fürther machen aus zwei Halbchancen zwei Tore – das ist die cold hard truth der Zweiten Liga.

Der var blieb stumm, hannover sprachlos

Der var blieb stumm, hannover sprachlos

Schiedsrichter Tom Bauer hatte seinen Sonntag auch nicht im Griff. Zweimal prüfte er die Bilder, zweimal blieb die Entscheidung gegen 96 stehen. Doch wer sich auf Referee-Pech verlässt, verliert sowieso. Die Wahrheit ist simpler: Hannover war in den entscheidenden Momenten der klügeren Geduld nicht gewachsen.

Die Lücke nach oben beträgt weiter drei Punkte, nur dass jetzt drei Teams dazwischenhängen. Der Spielplan dagegen wird nicht milder: Am Sonntag gastiert 96 auf Schalke, wo die Knappen seit acht Heimspielen nicht mehr verloren haben. Wer dort nicht gewinnt, darf vom Aufstieg nur noch träumen – und selbst das wird teurer.

Die Saison ist nicht vorbei, aber die Luft wird dünner. Wer so verballert, wie Hannover gegen Fürth, muss sich nicht wundern, wenn die Rechnung am Ende nicht aufgeht. Der Aufstieg ist jetzt ein Auswärtsspiel geworden – und die Fahrkarte kostet sechs Punkte in zwei Wochen.