Hannover 96 verschenkt rang zwei mit dem schlusspfiff – titz schimpft, bundu glänzt
In der Nachspielzeit schlug das Pendel wieder durch. Jorrit Hendrix köpfte das 3:3, Hannover 96 rutschte auf Platz drei, und Christian Titz schluckte so laut, dass es in der Pressekonferenz zu hören war. Was für ein K.o.-Schlag kurz vor dem Ende.
Titz hadert mit der verteidigenden leichtsinnigkeit
„Wir haben das Mittelfeld verschenkt“, prangerte der Coach an, nachdem seine Elf erstmals seit dem Rückrundenauftakt wieder drei Gegentore in einer Partie kassierte. Die Abwehr, sonst das Markenzeichen der Rückserie, wirkte gegen das Tabellen-Schlusslicht wie ein Schloss mit offenem Tor. Kopflos, laut Titz, sei die Truppe nach der Pause agiert – und das gegen einen Gegner, der bislang vor allem für mangelnden Durchsetzungswillen stand.
Dennoch: Ohne die Wildheit des Spiels hätte Preußen Münster kaum die Hand ausgestreckt, geschweige denn zurückgekämpft. Der frühe 0:2-Rückstand nach 39 Minuten schrie förmlich nach einem Debakel. Doch dann kam die 45. Minute und mit ihr Mustapha Bundu.

Mustapha bundu schreibt sein persönliches märchen weiter
Zwei Mal netzte der Angreifer aus Sierra Leone vor dem Pausenpfiff. Mit links, mit rechts, mit dem Herzen eines Mannes, der in den vergangenen Monaten mehr Zeit in der Reha verbrachte als auf dem Rasen. „Der hat sich nie hängenlassen“, lobte Titz, und man spürte, dass der Satz nicht nur sportlich gemeint war. Vier Scorerpunkte in den letzten drei Spielen – Bundu ist zu Hannovers Lebensversicherung geworden, gerade wenn es brenzlig wird.
Doch selbst sein Doppelpack rettete nicht vor der kalten Dusche. Der späte Ausgleich versiegelte die verpasste Tabellenspitze. Erstmals seit dem fünften Spieltag hätte 96 nach Ende eines Spieltags wieder direkt aufstiegsplatzieren können – stattdessen schauen die Niedersachsen nun auf zwei Endspiele, in denen sie sich keine weitere Scharte erlauben dürfen.

Sechs punkte oder winter – die rechnung ist einfach
„Ab morgen ist wieder voller Fokus auf die nächsten beiden Spiele, da wollen wir sechs Punkte holen“, donnerte Kapitän Enzo Leopold. Am Samstag geht’s nach Bochum, eine Woche später empfängt Hannover den 1. FC Nürnberg. Punktgleich mit Paderborn, einen Zähler hinter Elversberg – die Tabelle ist so eng wie ein Korsett. Ein weiterer Riss, und der Traum vom direkten Wiederaufstieg platzt.
Die Lektion von gestag Abend: Tore schießen reicht nicht, wenn man hinten das Mittelfeld verliert. Hannover muss wieder zu der Stabilität finden, die sie monatelang trug. Sonst wird aus dem großen Ziel kleinteilige Rechnerei – und die endet selten mit einem Happy End.
