Hannawald zerlegt hoffmann: „er dreht sich im kreis und ist am ende“

Felix Hoffmann fliegt nach Lahti – aber eigentlich müsste er dringend Pause machen. Der einstige deutsche Hoffnungsträger stürzte beim Kulm-Skifliegen als 32. aus dem zweiten Durchgang, blieb in Tesero 13. und 25., und selbst sein größter Fürsprecher Sven Hannawald wirft jetzt das Handtuch: „Er ist völlig neben der Spur, am Ende seiner Kräfte“, sagt der ARD-Experte dem polnischen Portal Sport.pl.

Der mental zerfressene meister

Die Zahlen sind grausam: vier Podestplätze in der Vorsaison, seitdem freier Fall. Was niemand laut sagt: Hoffmanns Blick wirkt leer, die Landungen hart, die Körpersprage zusammengebrochen. Hannawald, der 2003 die Tournee gewann, erkennt das Muster wieder – „ein aussichtsloser Kampf“, sagt er, „es ist schwer mitanzusehen, wie er leidet“.

Der Athlet selbst quält sich mit einem Lächeln durch Interviews, doch die Sprungrichter bescheinigen ihm immer öfter mangelnden Druck und zu späte Absprünge. Bundestrainer Stefan Horngacher nominiert ihn trotzdem für Lahti. Warum? Weil es keinen Plan B gibt. Karl Geiger und Andreas Wellinger finden langsam zurück, Philipp Raimund gilt als Rohdiamant, doch die Stammplätze sind rar. Wer soll das deutsche Team in Olympia-Zeiten repräsentieren, wenn nicht der amtierende Meister?

Lahti wird zur schicksalswoche

Lahti wird zur schicksalswoche

Freitag, Große Mühle, 130 Meter Anlauf. Ein guter Sprung und Hoffmann schöpft vielleicht neues Selbstvertrauen. Ein Fehlgriff und die Kollegen reden hinter vorgehaltener Hand vom „Nervenbündel“. Die Stimmung im Lager ist gespannt, denn die nächsten Monate entscheiden über Startplätze bei der Vierschanzentournee und damit über Millionenwerträge der Sponsoren.

Die Botschaft ist klar: Entweder Hoffmann beweist an diesem Wochenende, dass sein Talent noch zählt – oder er rutscht endgültig ins Mittelfeld ab, aus dem selbst Hannawald kein Entkommen mehr sieht. Die Zeit läuft, der Wind dreht sich, und die Schanze wartet nicht auf Selbstmitleid.