Handball-zweitliga-aufstieg: warum scheuen klubs den sprung?
Die Frage nach dem Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga sorgt für Verwirrung – und Unverständnis. Während die 3. Liga ihre besten Teams vor der Herausforderung stehen hat, zögern einige Klubs, den Sprung in die nächsthöhere Spielklasse zu wagen. Ein Problem, das auch Trainer Ralf Bader der HSG Konstanz offen anspricht.

Die hürden sind höher als gedacht
„Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn der Tabellenerste beispielsweise nicht aufsteigen will“, so Bader in einem Interview mit logbuch-Sport. Die Gründe sind vielfältig und liegen nicht nur am sportlichen Bereich. Vielmehr scheinen die infrastrukturellen Anforderungen, die an Zweitligisten gestellt werden, viele Klubs zu überfordern. Die finanzielle Belastung ist enorm, und nicht jeder Verein ist in der Lage, diesen Schritt wirtschaftlich zu stemmen.
Bader, der selbst als Spieler in der Bundesliga aktiv war, mutmaßt, dass der Handball möglicherweise „zu schnell, zu professionell geworden“ ist. Die Ligareform von 2010, die aus den fünf Regionalligen die 3. Liga schuf, und die Reduzierung der 2. Liga ein Jahr später von 36 auf 20 Klubs haben die Strukturen nachhaltig verändert. Neuhausen, einst selbst in der zweigleisigen 2. Liga erfolgreich und sogar in die 1. Liga aufgestiegen, kämpft mittlerweile in der fünftklassigen Liga um seine Existenz.
Die Diskussion um eine Reform der 3. Liga ist längst entfacht. Bader plädiert für eine radikale Reduzierung auf nur noch zwei Staffeln. „Das wäre die einzige logische Schlussfolgerung“, betont er. Andreas Tiemann, Spielleitende Stelle der 3. Liga, räumt ein, dass eine zweigliedrige 3. Liga die Leistungsdichte erhöhen würde, warnt aber vor massiv steigenden Kosten. Zudem würde sich das Problem auf die Regionalligen verlagern, da nicht alle Meister dort aufsteigen könnten.
Die Frauenhandball-Bundesliga hat bereits Schritte in Richtung Leistungsverdichtung unternommen, indem die Ligastärke reduziert und die Anzahl der Staffeln verringert wurde. Ob ein ähnlicher Ansatz auch für die Männer in Frage kommt, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung liegt letztendlich bei der Spielkommission, in der jeweils zwei Vertreter von Männer- und Frauenmannschaften vertreten sind.
Die Frage, wer sich den Herausforderungen der 2. Handball-Bundesliga tatsächlich stellen will, bleibt also weiterhin offen. Es scheint, als ob der Traum vom Aufstieg für viele Klubs mittlerweile mit einem hohen Preis verbunden ist – ein Preis, den nicht jeder bereit ist zu zahlen.
