Handball-wm der frauen: rekorde, rausch und ein minus, das sich lohnt
Silber war teuer, aber das Echo ist golden. Die deutschen Handballerinnen haben bei der Heim-WM die Nation elektrisiert – und dem Deutschen Handballbund (DHB) eine Rechnung präsentiert, die weit unter den Schreckensszenarien blieb.
350.000 Euro Verlust stehen in der Endabrechnung. Klingt nach Katastrophe? Ist es nicht. „Ein positives Minus“, nennt DHB-Vorstandschef Mark Schober das Ergebnis. Ursprünglich hatte der Verband mit bis zu einer Million Euro Loch gerechnet. Die Bilanz: Mehr als doppelt so gut wie befürchtet – und das, obwohl die Kasse für die Prämien der Spielerinnen leerer wurde als erhofft.
Die tv-zahlen lügen nicht
5,79 Millionen sahen das Finale gegen Frankreich, Marktanteil 31,3 Prozent – nie zuvor schauten so viele Deutsche eine Handballpartie der Frauen. In der Dortmunder Westfalenhalle tobten 10.522 Fans, ein weiterer Rekord. Die Reichweite in den sozialen Medien verfünffachte sich im Vergleich zur EM 2023. Thomas Zimmermann, Marketingvorstand, spricht von einem „Turnier der Superlative“, das die Begeisterung „auf ganz Deutschland übertragen“ habe.
Die Silbermedaille – erste für deutsche Handballerinnen seit 2007 – war nur der Höhepunkt einer Euphoriewelle, die Sponsoren mitgerissen hat. Ein Partner sprang ein, um die Prämie der Frauen auszugleichen – ein Novum, das die Lücke zwischen Männer- und Frauen-Bonus schließt. Die Kampagne „Hands up for more“ lieferte das Narrativ, die Mannschaft lieferte die Emotionen.

Nächster stop: em 2032
Nationalmannschaftsmanagerin Anja Althaus fordert: „Es muss sofort weitergehen.“ Die Devise gilt auch für die Geschäftsstelle. Dort arbeitet Saskia Lang, Ex-Weltmeisterin und heute Senior-Managerin, an der nächsten Heim-EM – 2032 gemeinsam mit Dänemark und Polen. Bis dahin gilt: Reisen, punkten, sichtbar bleiben. Denn die 350.000 Euro sind längst amortisiert: durch neue Partner, höhere MERCH-Umsätze und ein Image, das sich nicht in Zahlen fassen lässt. Der DHB zahlt gern, wenn der Return so lautet.
