Handball-duell der gefühle: dhb-team muss gegen ägypten nachlegen

Drei Tage nach dem atemlosen 41:38 in Dortmund wartet auf Deutschlands Handballer die nächste Feuertaufe. Am Sonntag (15 Uhr, ProSieben) trifft die DHB-Auswahl in der Neuauflage auf Afrikameister Ägypten – und diesmal will Bundestrainer Alfred Gíslason mehr sehen als einen Arbeitssieg mit Katerstimmung.

Die abwehr-frage bleibt offen

10.732 Zuschauer jubelten, doch die Euphorie hielt sich in Grenzen. Zu viele Lücken, zu viele Gegentore, zu viel Zufall. Miro Schluroff prägte die Halbzeit-Analyse: „Wir kassieren zu viele Gegentore.“ Kein Satz, sondern ein Seufzer. Auch Juri Knorr, der mit neun Toren glänzte, konnte die Defensiv-Schwächen nicht kaschieren. Das System wackelt, die Gíslason-Maschine läuft noch nicht rund.

Die Statistik lügt nicht: 38 Gegentore gegen eine nordafrikanische Auswahl, die erst in der Schlussphase die Puste verlor. Für ein Team, das 2027 vor heimischem Publikum um den Titel spielen will, ist das ein Warnsignal. Julian Köster sprach es aus: „Viele Dinge liefen noch nicht gut.“ Eine Untertreibung, die wie ein Donnerschlag klingt.

Ludwig liefert, gíslason plant

Ludwig liefert, gíslason plant

Lichtblick: Lasse Ludwig. Der 23-jährige Füchse-Schlussmann stand erstmals zwischen den Pfosten und stand sofort im Rampenlicht. „Unbeschreiblich“, nannte er die Atmosphäre, und man glaubt ihm jedes Wort. Doch ein Torwart allein gewinnt kein Turnier. Die Heim-WM 2027 rückt näher, und Gíslason weiß: „Die fünf Prozent haben gefehlt.“ Er spricht vom Finale gegen Dänemark, von Silber, von knappen Endspielen. Das klingt nach Fortschritt, aber auch nach unverrichteter Dinge.

Deshalb zählt nun jeder Ball, jede Zweikampfanalyse, jede Trainingssequenz. Das zweite Duell gegen Ägypten ist kein Test mehr, es ist ein Gradmesser. ProSieben überträgt erstmals live, Dyn streamt parallel. Die Mediengruppe kaufte sich für 60 Länderspiele ein – ein Statement, das die Handball-Welt nicht länger ins Abseits stellt.

Die Botschaft ist klar: Wer nicht steigt, fällt. Und die deutsche Mannschaft muss am Sonntag zeigen, dass sie bereit ist, die nächste Stufe zu nehmen. Keine Ausreden, keine Erinnerungen an Dortmund. Nur ein Sieg, der glänzt statt nur glückt.