Hakimi trifft trotz vorwurf – und lacht sich frei
Achraf Hakimi jagt dem Ball nach und lässt die Justiz hinter sich. Ein Tor gegen Haiti, ein breites Grinsen vor der Kamera – und ein Satz, der Paris zum Kochen bringt: „Ich lebe gerade meine beste Phase.“ Drei Tage, nachdem das Berufungsgericht von Versailles seinen Prozess wegen Vergewaltigungsvorwürfen bestätigte, redet der Marokkaner, als wäre nichts gewesen.
„Ich habe gute menschen um mich“
Die Mixed-Zone nach dem 4:2-Sieg ist eng, die Mikrofone drängen sich. Hakimi wischt sich das nasse Haar aus der Stirn und antwortet, als hätte man ihn nach dem Wetter gefragt. „Ich fühle mich super, privat wie beruflich“, sagt er und klopft sich gegen die Brust. Die Formulierung ist kein Ausrutscher, er wiederholt sie zwei Mal. Seine Stimme klingt ruhig, fast gelöst.
Kein Wort über den Termin vor dem Schwurgericht, kein Wort über die Staatsanwaltschaft Nanterre, die ihn seit Februar 2023 im Visier hat. Stattdessen ein Dank an „die Leute, die mich fokussieren“. Gemeint ist sein Berater, gemeint ist wohl auch der PSG-Kader, der ihn trotz Hausdurchsuchungen und Lehrgeldverfahren weiter aufläuft lässt.

Ein tor als schutzschild
Die Aktion vor dem 1:1 war typisch Hakimi: Überlappen, Sprint, Innenrist aus 14 Metern. Haiti-Keeper Sylvestre sah nur den Schatten, das Leder schlug oben rechts ein. Die marokkanischen Fans im Löwenstadion brüllten sein Namen. Für 90 Minuten war der Rechtsverteidiger wieder der Held vom Halbfinale 2022, nicht der Angeklagte von morgen.
Der Kontrast ist brisant. Während seine Anwälte vor Gericht auf Freispruch pochen, posiert Hakimi mit Teamkollegen auf Instagram, spielt mit den Kindern der Mannschaftskollegen, postet Trainingsvideos im Zeitraffer. Das Bild der Unbeschwertheit wirkt sorgsam inszeniert – und bislang erfolgreich.
Paris schaut weg
Im PSG-Bürokomplex in Boulogne war gestern kein Statement zu holen. Die Geschäftsführung will sich „auf sportliche Belange konzentrieren“, hieß es knapp. Keine Sperre, keine Suspendierung, kein internes Ermittlungsverfahren. Der Verein, der früher Spieler für jede PR-Krise fallen ließ, hält diesmal still. Die Parallele zu Mendy und Greenwood ist unverkennbar – und trotzdem anders.
Hakimi selbst scheint das Paradoxon zu genießen. „Ich will so lange wie möglich auf diesem Level bleiben“, sagt er und meint damit wohl nicht nur die Flanke, die er nach dem Interview noch einmal schlägt. Der nächste Prozesstermin steht noch nicht fest, das WM-Qualifikationsspiel gegen Tansania schon. Die Uhr tickt – und Hakimi dribbelt weiter.
