Haie versenkt adler-express – rekord nur noch mit fernziel

Rund 13 000 Zuschauer in der SAP-Arena sahen am Donnerstag ein Topspiel, das nach zwanzig Minuten seinen Stempel bekommen hatte: Adler Mannheim überrollten den als Hauptrundenmeister feststehenden KEC mit 5:1 und verpassten den Kölnern nicht nur die Krönung, sondern auch eine Demütigung zum Saison-Endspurt.

Die Statistik liest sich wie ein Abschiedsbrief an die Rekordträume: 113 Punkte stehen nach 49 Spielen zu Buche, drei Partien bleiben, um die 116 aus der Saison 2018/19 einzustellen. Doch die Tore, die normalerweise fliegen, blieben aus. Stattdessen traf ausgerechnet Justin Schütz – einst im KEC-Sturm gedraftet – doppit gegen seinen Ex-Club. Ironie des Eishockeys: Wer einst die Haie trug, biss jetzt mit Adlerkrallen zu.

Juvonen rettet, aber er kann nicht siegen

Janne Juvonen war der einzige KEC-Spieler, der die Niederlage bis zur Neige hinauszögerte. Pfosten-Geplänkel von Christian Reichel, Breakaway-Chancen, zweimal Überzahl – alles wehrte der Finne ab. Aber Hockey ist ein Kollektivsport, und als Ryan MacInnis in der 36. Minute zum 1:1-Ausgleich traf, war das nur ein Strohfeuer. 60 Sekunden später fiel das 2:1, weil Kris Bennett den zweiten Versuch versenkte. 60 Sekunden danach Schütz wieder – 3:1. Kurz und schmerzlos.

Mannheims Trainer Pavel Gross hatte seine Reihen umgestellt, die erste Five spielte mit Tempo wie auf Koks. Die Haie wirkten, als wären sie schon im Playoff-Modus – nur ohne den nötigen Biss. Die Defensivabstimmung war ein Flickenteppich, die Breakouts kamen zu spät, und als Brendan O'Donnell in der 43. Minute zum 4:1 traf, war das Spiel gelaufen. John Gilmour setzte den Schlusspunkt, weil kein KEC-Verteidiger die blaue Linie dicht bekam.

Powerplay floppt, rekord wandert

Powerplay floppt, rekord wandert

Das beste Powerplay der Liga blieb an diesem Abend wirkungslos wie ein Feuerzeug ohne Benzin. Dreimal Überzahl, null Tore, dazu vier Gegentreffer in Unterzahl-Situationen der Haie. Die Zahlen schreien: 1:5 steht auch für eine mentale Blockade. Die Adler hingegen feierten schon vorzeitig Playoff-Atmosphäre – zehn Minuten vor Ende rief die Crowd „We want ten!“

Die Konsequenz: Köln muss nun mindestens zwei der letzten drei Spiele nach regulärer Spielzeit gewinnen, um den Punkterekord zu egalisieren. Gegner: Nürnberg, Augsburg, Iserlohn – alles Teams, die sich noch für die Pre-Playoffs raufen. Die Haie haben die Qualifikation längst gesichlicht, aber der Saisonzielscheben ist jetzt ein Moving Target geworden. Trainer Jeff Tomlinet wird die Videoanalyse lieber überspringen – oder sie in kleinen Häppchen servieren, damit die Kabine nicht explodiert.

Mit 17 Tagen bis Playoff-Start haben die Haie eine Wahl: Entweder sie nutzen den Rückschlag als Wake-up-Call – oder sie riskieren, mit dem Rekordtrauma in die Best-of-Seven zu stolpern. Die Adler haben ihnen eine Visitenkarte hinterlassen, adressiert an die Scheibe: „Bis März sind wir bereit.“