Haidhausen: drogensüchtiger unter falscher identität – 27 punkte abzug!
München ist erschüttert: Die SpVgg Haidhausen muss mit einem empfindlichen Schlag ins Gesicht rechnen. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat das Urteil des Bezirkssportgerichts bestätigt und dem Kreisligisten 27 Punkte abgezogen. Der Grund: Ein Drogendealer spielte jahrelang unter falscher Identität in der Mannschaft – ein Skandal, der den Verein in seinen Grundfesten erschüttert.
Ein krimi im amateurfußball
Die Geschichte liest sich wie ein Drehbuch für einen packenden Krimi, nicht wie der Alltag eines Kreisligisten. Niko S., wie der Spieler nun wirklich heißt und der eine dreijährige Haftstrafe verbüßt, trat seit einigen Monaten unter dem Namen Mateo V. für Haidhausen an. Ein regelwidriger Einsatz, der dem Verein nun teuer zu stehen kommt.
27 Punkte – das ist der Preis für die Unachtsamkeit oder gar das fahrlässige Handeln im Vereinsmanagement. Sportlich bedeutet dies einen dramatischen Absturz. Vom Titelrennen ist Haidhausen in den Abstiegskampf katapultiert worden. Die Fans sind fassungslos, die Spieler demoralisiert.

Der verein wehrt sich: ein fehler im system?
Vereinschef Giuseppe Scialdone zeigt sich empört und kündigt an, vor das Oberlandesgericht in Nürnberg zu ziehen. „Es ist einfach der Wahnsinn! Wir haben bei seiner Anmeldung die Daten aus dem BFV-System übernommen. Wie hätten wir wissen sollen, dass er eine falsche Identität hat?“, so Scialdone gegenüber der tz. Er argumentiert, dass der Paragraph 29 der Spielordnung, der die Unwissenheit des Vereins berücksichtigt, eine Wiederholung der Spiele zur Folge hätte haben müssen. Doch der BFV verweist auf Paragraph 33, der die Vereine für die Richtigkeit der Spielerangaben verantwortlich macht.
Die Situation wirft ein schlechtes Licht auf die Kontrollmechanismen des BFV. Wie konnte ein Spieler mit einer gefälschten Identität über Jahre hinweg unentdeckt in einer Mannschaft spielen? Die Frage beschäftigt nicht nur die Verantwortlichen des BFV, sondern auch die gesamte Fußballgemeinde in Bayern. Viele Vereinsmitglieder äußern nun die Sorge, dass auch ihre Vereine in Zukunft Opfer solcher Betrügereien werden könnten.
BFV-Sprecher Frühwirth schmettert indes Forderungen nach einer Änderung des Paragraphen ab. Die Vereine seien selbst dafür verantwortlich, ihre Spieler zu überprüfen – beispielsweise durch die Vorlage eines Führungszeugnisses. Ein deutliches Signal an die Vereine, ihre Sorgfaltspflichten ernst zu nehmen.
Die Entscheidung des BFV ist ein harter Schlag für die SpVgg Haidhausen, aber auch ein Weckruf für den gesamten bayerischen Fußballverband. Es bleibt abzuwarten, ob Scialdone vor dem Oberlandesgericht Erfolg haben wird – und ob dieser Fall die Kontrollmechanismen im bayerischen Fußball nachhaltig verbessern wird. Die Saison 2023/24 wird für Haidhausen so oder so in die Annalen des Amateurfußballs als eine der schmerzhaftesten Jahre eingehen.
