Gummersbach: vom abgrund zurück ins rampenlicht – und die champions-league-hoffnungen
Vor sieben Jahren schwebte der VfL Gummersbach am seidenen Faden der Existenz. Der fast schon bittere Abgrund der Pleite schien unausweichlich. Doch der Verein hat sich gerettet, neu strukturiert und ist nun wieder auf dem Vormarsch – mit dem kühnen Ziel, die Champions League zu erreichen. Im exklusiven Gespräch verrät Geschäftsführer Christoph Schindler, wie der Verein diesen beeindruckenden Wandel vollzogen hat und welche Herausforderungen noch bevorstehen.
Die frage aller fragen: reicht platz drei für die königsklasse?
Die Spannung ist kaum zu übertreffen: Kann der VfL Gummersbach tatsächlich die Qualifikation für die Champions League erreichen? Christoph Schindler nimmt die Frage mit einem trockenen Lächeln beantwortet: „Nein, offiziell hat sich die EHF noch nicht gemeldet. Aber die Berichterstattung verfolgt man natürlich. Bis vor kurzem war das Thema ohnehin nicht realistisch.“ Er kritisiert die Zögerlichkeit der Europäischen Handballföderation und weist auf die strukturellen Probleme hin, die den Handball belasten. „Ich rechne aber einfach damit, dass die ersten drei Bundesliga-Teams die Chance erhalten, in der Königsklasse zu spielen.“
Denn eines ist klar: Die Konkurrenz schläft nicht. Es kursieren Gerüchte, dass der diesjährige Sieger der European League ebenfalls einen Startplatz in der Champions League erhalten könnte. Schindler hält dies für einen Fehler: „Platz drei in der Bundesliga sollte höher gewertet werden als der Sieg in der European League. Das ist meine Meinung.“ Ein endgültiges Ergebnis erwartet er erst gegen Saisonende.

Die schwalbe-arena: segen und fluch
Die Gummersbacher Schwalbe-Arena ist legendär – und für Schindler ein zweischneidiges Schwert. „Fluch und Segen trifft es wirklich gut“, so der Geschäftsführer. Die Stimmung bei den 43 ausverkauften Heimspielen ist elektrisierend, doch die Halle ist mit ihren 4132 Plätzen mittlerweile zu klein. „Wir hatten zuletzt Preiserhöhungen in allen Kategorien. Das ist nur bis zu einem gewissen Punkt möglich.“ Der VfL Gummersbach verfügt innerhalb der Top 5 der Liga über die mit Abstand kleinste Halle, was den Wettbewerb erschwert.
Doch Schindler blickt optimistisch in die Zukunft. „Jedes zusätzliche Euro, das wir generieren, können wir in das Personal investieren.“

Julian köster: ein profi mit herz
Der Abgang von Julian Köster zum THW Kiel sorgte für Gesprächsstoff. Schindler zeigt sich jedoch unbefangen: „Julian ist ein absoluter Profi, er trifft keine überhasteten Entscheidungen. Der THW Kiel ist ein toller Verein, und Julian passt dort super.“ Sollte Köster sich einst für eine Rückkehr nach Gummersbach entscheiden, stünde Schindler ihm offen gegenüber.
Emotionale achterbahnfahrt: von spielerschwänken bis zur hoffnung
Christoph Schindler blickt zurück auf eine turbulente Zeit. „Es war schlimmer, als man sich das heute vorstellen kann. Im ersten Jahr, vor und nach dem Abstieg 2019, war die finanzielle Lage am Boden. Damals ging es nur noch darum, die Rechnungen zu bezahlen. Es gab viele schlaflose Nächte – nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen, ohne die diese Entwicklung niemals möglich gewesen wäre.“ Der aktuelle Aufschwung ist ein Beweis für die harte Arbeit und das Engagement aller Beteiligten.
Die bittere realität: willkür bei schiedsrichterentscheidungen
Schindler scheut sich nicht, Kritik zu üben. Nach dem umstrittenen Spiel gegen den SC Magdeburg im Dezember kochte die Enttäuschung hoch. „Meine grundsätzliche Einstellung hat sich nicht geändert. Ich sehe Woche für Woche Spiele, in denen sich Trainer unsportlich verhalten und bei der Vergabe von Videobeweisen Willkür herrscht.“ Er fordert eine deutliche Verbesserung des Umgangs mit dem Videobeweis von der Handball-Bundesliga (HBL) und dem Deutschen Handballbund (DHB).
Trotz aller Herausforderungen blickt der VfL Gummersbach optimistisch in die Zukunft. Die finanzielle Stabilität ist wiederhergestellt, die Mannschaft spielt attraktiven Handball und die Fans stehen geschlossen hinter dem Verein. Die Schwalbe-Arena bebt – und die Champions-League-Träume sind näher als je zuvor.
