Guardiola jagt wembley-titel nach madrid-debakel: arsenal droht
Pep Guardiola wirft die Champions-League-Blamage hinter sich – mit einem Knall. Am Sonntag um 17.30 Uhr steht er mit Manchester City im League-Cup-Endspiel von Wembley, und der Gegner heißt ausgerechnet Arsenal. Die Londoner haben die Königsklasse erreicht, City ist raus. Nun geht es um Prestige, um Psychologie, um die Frage: Wer springt aus dem Drehtür-Trauerspiel heraus und greift nach dem ersten Teller der Saison?
Guardiola: „großer moment, große antwort“
Die 0:3- und 1:2-Niederlagen gegen Real Madrid brennen noch in den Knochen. Guardiola redet deshalb nicht von Revanche, sondern von „Standortbestimmung“. Er will wissen, auf welchem Niveau seine Spieler stehen, nachdem sie in Madrid die Grenzen aufzeigten. Die Antwort liefert der Katalane ungeschminkt: „Wir brauchen die Fähigkeit zu vergessen – und sofort weiterzumachen.“ Sonst rast der Zug der Saison ohne City davon.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In der Premier League liegt der amtierende Meister neun Punkte hinter Arsenal, hat aber ein Nachholspiel. Das direkte Duell am 19. April im Etihad Stadium könnte die Lücke schließen. Ein Cup-Sieg am Wochenende würde das Momentum zurückbringen – oder zumindest die erste Scharte auswetzen. Guardiola wischt die Frage nach der Trendwende beiseite: „Gewinnen hilft immer, aber in der Liga kann es trotzdem anders laufen.“

Arteta fordert den beweis
Mikel Arteta steht auf der Gegenseite und kennt Guardiolas Denke bis ins Detail. Er war dessen Assistent, bevor er die Gunners übernahm. Nun will er den zweiten großen Titel seiner Amtszeit – nach dem FA-Cup 2020. „Es geht darum, zu zeigen, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch gewinnen, wenn es wirklich zählt“, sagt der Basken-Coach. Sein Team liefert diese Saison die besten Zahlen ab: meiste Tore, beste Abwehr, jüngste Startelf. Doch ein Pokal im Schrank wäre der handfeste Beweis, dass das Projekt die Reife erreicht hat.
Arsenal hat den League Cup zuletzt 2020 gewonnen. Seither schlichen sich in den Finals kleine Blackouts ein: zu viel Respekt, zu wenig Killer-Instinkt. Arteta weiß, dass eine Niederlage gegen den Angstgegner City die alten Zweifel wieder aufleben lassen würde. „Definierender Moment“, nennt er das Finale deshalb. „Am Ende zählt nur, ob du den Pokal hebst oder leer ausgehst.“
Die Personalien sind rauer als je zuvor. Kevin De Bruyne fehlt City nach Oberschenkelproblemen, Arsenal muss auf Takehiro Tomiyasu verzichten. Beide Teams spielten in der Woche 120 Minuten in Europa – die Beine werden schwerer, die Köpfe heißer. Die Wembley-Rasenheizung lief schon seit Tagen auf Maximum, damit der Rasen trotz Dauerregens paspelt. Ein kleines Detail, das in einem Spiel entscheiden kann, in dem Millimeter zwischen Trophäe und Tränen liegen.
Die Buchmacher sehen City leicht vorne, die Statistik Arsenal: Die Gunners gewannen drei der letzten fünf Pflichtspiele gegen die Skyblues. Doch Cups haben ihre eigene Physik. Ein einziger Abspielfehler, ein gehaltener Elfmeter, ein Aufschrei von 90.000 Kehlen – und schon ist alles anders. Guardiola wird an der Seitenlinie zittern, Arteta wird mit der Faust auf der Brust rennen. Wembley wartet, der Pokal glänzt, und die Frage bleibt: Wer trägt ihn in die Kabine, wer schleppt sich mit leeren Händen nach Hause? Die Antwort fällt am Sonntagabend – und sie dürfte die Meisterschaftsstrasse ebenso beeinflussen wie die Köpfe der beiden Trainerlegionen.
