Bremen bangt vor wolfsburg: thioune muss ohne stage improvisieren

15.30 Uhr am Samstag, Volkswagen-Arena, 26. Spieltag: Für Werder Bremen geht es gegen den VfL Wolfsburg um nicht weniger als die Vorentscheidung im Abstiegskampf. Der 17. empfängt den 16., ein Sieg würde die Wölfe bis auf einen Punkt heranrücken lassen, eine Niederlage sieben Punkte zwischen die Mannschaften bringen – und damit fast die Klasse sichern. Die Stimmung in Bremen: zwischen Hoffen und Zittern.

Stage fällt aus, die gelbe karte frisst den besten schützen

Daniel Thioune muss genau den Spieler ersetzen, der ihn in den vergangenen Wochen mit fünf Treffern vor dem Abgrund hielt. Jens Stage sitzt gelbgesperrt in der Kabine, dazu fehlen Niklas Stark und Senne Lynen verletzt. Die Abwehr ist seit Monagen ein Puzzle mit fehlenden Teilen, der Sturm ohnehin ein Sammelsurium aus Flügeln und Notlösungen. Kein Angreifer kam bisher über vier Tore hinaus – eine Statistik, die sich selbst gegen die wackelige Wolfsburger Hintermannschaft als gefährlich erweisen könnte.

Die Zahlen sind gnadenlos: Bremen schoss in dieser Saison die fünftmeisten Torschüsse, traf aber nur öfter als Heidenheim und St. Pauli. Beim 0:2 gegen Mainz verwandelten die Grün-Weißen keinen ihrer 16 Versuche. Wolfsburg dagegen netzte aus fünf Schüssen einmal ein – und das mit dem zweitwenigsten Abschlussvolumen der Liga. Effizienz trifft auf Verzweiflung.

Gelb-sperre wie damokles-schwert über beiden teams

Gelb-sperre wie damokles-schwert über beiden teams

Neben Stage droht auch gleich der nächste Rückschlag: Mit Grüll, Lynen, Puertas, Schmid, Stark und Topp wanken sechs weitere Bremer mit vier Kartons auf der Kippe. Fällt nur einer von ihnen in Niedersachsen, fehlt er gegen Leipzig nach der Länderspielpause. Beim VfL lauert dasselbe Schwert: Eriksen, Majer, Koulierakis und Wimmer müssen aufpassen, sonst fehlen sie in Leverkusen. Die Karten-Angst beeinflusst Laufbahnen, Zweikampfverhalten und mitunter das ganze Spiel.

Die Fans spüren die Brisanz. Wolfsburg will die Bremer Fan-Invasion verhindern, die beim HSV schon für eine gelbe Wand statt grüner sorgte. Tickets nur mit Wolfsburger Postleitzahl, Kontrollen an den Eingängen – der Club fürchtet sich vor der eigenen Arena. Die Atmosphäre wird kochen, egal wer wie viele Karten hat.

Historie bietet wenig trost

Historie bietet wenig trost

Nur zweimal in 58 Bundesliga-Saisons stand Werder nach 26 Spieltagen schlechter da: 1974/75 und 2019/20. Beide Male blieb der Klassenerhalt – 2019 in der Relegation gegen Heidenheim. Die Parolen vom Boxkampf, die Thioune diese Woche bemühte, klingen angesichts dieser Zahlen weniger nach Motivation als nach nacktem Überlebenswillen. Werder braucht einen Sieg, um nicht wieder in jene Abwärtsspirale zu rutschen, aus der sich der Verein seit Jahren mühsam herauskämpft.

Die Uhr tickt. 90 Minuten im Volkswagen-Kessel können über die Zukunft von Spielern, Trainern und Verantwortlichen entscheiden. Für Bremen geht es um mehr als drei Punkte – es geht um die Frage, ob die Mannschaft endlich lernt, Chancen zu verwandeln, oder den Abstieg doch noch dramatisch auf die letzten Spieltage verschiebt. Die Antwort gibt es am Samstag, 15.30 Uhr. Der Countdown läuft.