Grant fegt udvardy vom platz: 0:6-debakel wird zur gala
Tyra Caterina Grant stand mit dem Rücken zur Wand. 33 Minuten brauchte Panna Udvardy, um ihr beim Mutua Madrid Open ein 6:0 einzuschenken. Was dann folgte, war kein Comeback – es war eine Demonstration. Die 16-jährige Italienerin drehte das Match, schmetterte die Nummer 78 der Welt mit 6:3, 6:2 und schrieb sich als jüngste Qualifikantin in das Hauptfeld eines WTA-1000-Turniers ein.
Vom bagel bis zum break-festival
Die erste Satzpleite war kein Zufall. Grant versank in einer Wolke aus Vorhandfehlern, Udvardy spielte wie auf Autopilot. Doch schon im letzten Game des Satzes nahm Grant zwei Satzbälle weg, schrie sich selbst an und fand den Schalter. Im zweiten Durchgang zerlegte sie die Ungarin mit druckvollem Return und einem Drittelaufschlag, der plötzlich 83 % der Punkte einbracht. Fünf Breaks bei 15 Chancen – Zahlen, die selbst erfahrene Sandkünstlerinnen ins Stolpern bringen.
Madrid ist für Grant ein persönlicher Glücksbringer. Dreimal erhielt sie eine Quali-Wildcard, zweimal flog sie früh raus. Jetzt holte sie sich das Ticket mit eigener Schlägerkraft, eliminierte zuvor bereits die Slowenin Veronika Erjavec (Nr. 96) und schickt damit ein Lebenszeichen in das italienische Damencamp. Neben Jasmine Paolini und Elisabetta Cocciaretto ist Grant die dritte Azzurra im Haupttableau – ein Dreigestirn, das sonst kaum jemand auf dem Zettel hatte.

Die sekunden vor dem knockout
Was niemand sieht: Zwischen dem 0:6 und dem 1:0 im zweiten Satz vergehen keine 90 Sekunden. Grant trinkt, blickt zur Box, wo ihr Coach nur die Faust zeigt – mehr nicht. Kein Taktikgeplapper, keine Zauberworte. „Ich wusste, wenn ich jetzt kürzer werde und die Bälle flach halte, kann sie nicht mehr ihre Kreisel auflegen“, sagte sie hinterher. Genau das tut sie. Udvardys Höhenmeter schrumpfen von 1,80 m auf 1,20, der Topspin verliert den Biss, und Grant verwandelt sich vom Kanonenfutter zur Kanoniere.
Die Weltrangliste? Vor Madrid Platz 262. Danach dürften mindestens 40 Positionen weniger auf dem Papier stehen. Das Ziel Top-200 rückt in Reichweite, und das ohne wildcards fürs Hauptfeld. „Ich will mir alles erarbeiten“, sagt sie, das klingt nicht nach Phrase, sondern nach einem Teenager, der gerade begriffen hat, dass sie die großen Mädchen ärgern kann, wenn sie nur lang genug dranbleibt.
Mit 16 Jahren hat Grant jetzt zwei Dinge erreicht: ein Hauptfeld-Ticket in der Königsklasse und das Selbstbewusstsein, mit Top-100-Spielerinnen mitzugehen. Der Rest ist Zahlenwerk. Die nächste Gegnerin wird sich warm anziehen müssen – sonst erlebt sie dasselbe, was Udvardy erlebt hat: ein Bagel, nur diesmal zum Dessert serviert.
