Göttlich attackiert den dfb: „was ist unsere linie, wenn wir in ein kriegsland fahren?“

Oke Göttlich schlägt mit der Faust auf den Tisch. Der Präsident des FC St. Pauli und Vize im DFB-Präsidium fordert, dass sich der Verband öffentlich zur WM 2026 in den USA positioniert – und lässt dabei kein gutes Haar an seiner eigenen Führung. Die Botschaft: Wer in Länder reist, in denen Menschen auf der Straße sterben, darf nicht einfach nur Fußball spielen, sondern muss sich fragen, wofür er steht.

„Ich würde nie von spielern verlangen, was sie zu tun haben. aber als verein haben wir eine meinung“

„Ich würde nie von spielern verlangen, was sie zu tun haben. aber als verein haben wir eine meinung“

Im Interview mit NDR 90,3 legt Göttlich nach. Er plädiert nicht für einen Boykott, betont er. Aber er will Denkanstöße. „Fahren wir dahin? Wie fahren wir dahin? Wenn wir hinfahren: Was ist die Aussage?“ Diese Fragen will der 50-Jährige nicht den Spielern aufbürden, sondern dem Verband. Sein Vorstoß ist ein Seitenhieb auf DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der dessen öffentliche Debatte als untauglich abtat. Göttlich kontert trocken: „Herr Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es in einem Funktionärsamt im deutschen Fußball bin.“

Der Hintergrund: Die USA sind nicht nur Gastgeber der WM, sondern auch ein Land, das aktuell militärisch in mehrere Konflikte verwickelt ist. Für Göttlich ist das ein Dilemma. „Der Sport steht für Integration, für Spaß, für Diversität. Und dafür, dass wir uns für die Menschenrechte einsetzen. Das sehe ich derzeit nicht“, sagt er. Seine Kritik richtet sich gegen die Kommunikationsstrategie des DFB. „Ich dachte: Das ist der größte Sportverband der Welt, der hat sich doch wohl kommunikativ Gedanken gemacht.“

Die Reaktion aus Frankfurt ließ nicht lange auf sich warten. Der DFB distanzierte sich umgehend von einem Boykott, Neuendorf und Geschäftsführer Andreas Rettig monierten die Öffentlichkeit der Debatte. Göttlich bleibt hart. „Das ist etwas, das ich anstoßen wollte“, sagt er und fordert den Verband auf, sich auf die Diskussion vorzubereiten. „Das ist etwas, worauf man sich vorbereiten muss.“

Die WM 2026 findet vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada statt. Für Göttlich ist klar: Wer dort antritt, muss auch sagen, wofür er steht. Sonst bleibt nur ein leeres Stadion und ein noch leerer Auftritt.