Gold für schönmaier: bremer turnerin rettet dtb-pokal-finale mit sprung-meisterwerk
Karina Schönmaier flog, drehte, landete – und zerstörte mit einem Yurchenko-Doppelschraube die Schweizer Hoffnung. 14,150 Punkte. Keine Deutsche kam in Stuttgart höher heraus.
Die 20-Jährige aus Bremen hatte sich gerade 48 Stunden zuvor mit dem Satz „Ich springe, wir gewinnen“ aus dem Interview verabschiedet. Was wie PR-Klischee klang, wurde zur Prophezeiung. Denn als Alexander Kunz und Timo Eder am Boden wackelten, lieferte Schönmaier den Anker. Ihr Sprung war so sauber, dass selbst Schweizer Trainerkollegen applaudierten – eine Geste, die im Turnerzirkus selten ist.
Stufenbarren-pirouette und der kleine fehltritt
Danach ging’s ans Barren- Gerät. Kein Lächeln, nur Fokus. 13,200 Punkte. Die Halle kochte. Doch bei Bodenübung rutschte sie einen Schritt aus der Fläche – 12,700. „Ich hab mir gedacht: Jetzt reicht’s, Karina. Keine Extravaganza mehr“, sagte sie hinterher lachend, das Gold schon um den Hals.
Die Schweiz lag bis zum letzten Durchgang vorn. Dann kam Schönmaier als Schlussläuferin. Ihre Landung war ein Exclamation mark. 54,100:103 für Deutschland, 53,800 für die Eidgenossen. Der Vorsprung: drei Zehntel – so knapp wie ein Haarriß.

Von der europameisterin zur medien-magnete
Seit ihrem Doppel-Titel bei der EM 2025 ist Schönmaier das Gesicht des deutschen Turnsports. Verträge, Interviews, Fototermine. „Ich bin Sportsoldatin, keine Influencerin“, sagt sie. Aber die Kameras lieben ihre Mischung aus Norddeutscher Kühle und Show-Applaus. Sponsoren buchen sie monatelang im Voraus, der DTB nutzt sie als Werbefigur – und sie liefert.
Jetzt reist sie zurück nach Bremen. Keine Sekunde Pause. Am Dienstag Training, Freitag Quali für die Weltcup-Station Cottbus. Das Gold hängt im Rucksack, drei Kilo schwer, sagt sie. „Aber das Gewicht der Erwartung ist schwerer.“
Die Zahlen sprechen: fünf internationale Turniere, vier Podestplätze, zwei Goldmedaillen in diesem Jahr. Die Bilanz einer Athletin, die noch lange nicht am Zenit ist. Bremen feiert, der DTB atmet auf – und die Konkurrenz weiß: Wer in Stuttgart gewinnt, fliegt in Paris hoch.
