Gnabry weg, musiala wackelt – bayerns saison droht zu kippen
Ein Riss im Adduktorenbereich, ein möglicher Monats-Aus, vielleicht sogar die Saison gelaufen. Serge Gnabry liegt auf dem Boden, der FC Bayern liegt plötzlich am Boden. Was am Samstagabend noch wie ein Routine-Sieg gegen Stuttgart aussah, endete mit der Gewissheit: Der Meister kommt ohne seinen besten Flügel-Torjäger durchs Ziel. 30 Jahre alt, zehn Tore, elf Vorlagen – und jetzt? „Das steht noch in den Sternen“, sagte Max Eberl. Keiner glaubte ihm.
Die lücke rechts ist riesig – und niemand passt hinein
Jamal Musiala soll helfen, körperlich aber noch lange nicht bereit für 120 Minuten in Madrid oder Leverkusen. Vincent Kompany sprach von „Schauen wir mal“, was im Fußballjargon heißt: Wir haben keinen Plan. Die Alternativen? Raphael Guerreiro als Zehner – ein eleganter Ballverteiler, aber kein Spieler, der eine Abwehr aus dem Leim hebt. Lennart Karl und Tom Bischof? Beide in der Reha. Bischof mag sich auf der Zehn bewegen, doch seine besten Spiele spielte er in dieser Saison als Linksverteidiger und Sechser. „Ich helfe, wo ich gebraucht werde“, sagte er im März. Gebraucht wird er jetzt – nur nicht an seiner Lieblingsposition.
Die Bank wirkt wie ein Warteraum: ein halb fitter Musiala, ein 20-jähriger Notnagel, ein Portugiese ohne Torriecher. Kompanys Kreativität ist gefragt. Eine Idee: Konrad Laimer rutscht nach rechts hinten, Alphonso Davies vor. Der Kanadier bekäme mehr Ballaktionen, verlöre aber seine Killer-Parade: den Raum in der Tiefe. Luis Díaz in die Mitte? Dann fehlt die Außenbahn, auf der er Gegner wegsprengt. Jede Lösung reißt woanders ein Loch.

Die gegner lachen – und wissen, was kommt
Real Madrid und Bayer Leverkusen werden die Aufstellungs-Rätsel längst gelöst haben. Kein Gnabry bedeutet: keine konternde Faust rechts, keine Drehung ins Zentrum, keine zwölf Meter-Schüsse aus dem Stand. Stattdessen ein Musiala, der zwar zaubern, aber noch nicht rennen kann. Ein Kane, der sich selbst anbietet, aber keine zweite Spitze findet. Ein Sané, der plötzlich doppelt bedeckt wird. Die Münchner Offensive war schon vorher durchschaubar – jetzt wird sie berechenbar.
Die Zahlen sprechen gegen Bayern: In den letzten 17 Pflichtspielen ohne Gnabry sank die Torquote pro Partie von 2,6 auf 1,8. Die Vorlagen halbierten sich. Die vermeintliche Breite des Kaders entpuppt sich als Luftnummer. 18 Tage sind es noch bis Berlin, 25 bis Madrid. Wer tritt da an? Eberl sprach von „Charakter“, Kompany von „Lösungen“. Beide wissen: Sprüche reichen nicht, wenn der Gegner die Scouting-Liste längst durchgearbeitet hat.
Am Ende bleibt ein Gedanke, der in München niemanden schlafen lässt: Was ist, wenn Musiala in 90 Minuten doch wieder die Oberschenkelzerrung spürt? Dann steht Tom Bischof auf der Zehn, ein 20-Jähriger mit 257 Bundesliga-Minuten. Oder Guerreiro, der in K.o.-Spielen zuletzt 2021 über 90 Minuten durchlief. Die Meisterfeier war kurz, die Angst ist lang. Gnabry raus, Saison offen – und die Uhr tickt lauter als je.
