Global racing kippt: skifahrer aus sieben nationen stehen plötzlich auf der piste ohne netz

Das Ende kam per interner Mail. Kein Knall, kein letztes Rennen, nur der Satz: Global Racing löst sich auf. Mit einem Klick verlieren 11 Alpinisten aus sieben Ländern ihre Werkstatt, ihren Physio, ihre Trainingsgruppe – und manche auch den Traum.

Epstein packt’s, die skifamilie fällt auseinander

Paul Epstein, 51, Gründer und Seelenhebamme des Teams, hat genug. 13 Jahre organisierte er Budgets, buchte Flüge, schmirgelte Kanten. „Ich will meine Töchter wieder sehen“, sagt er und schwenkt ins US-Skiteam. Die Saison 25/26 war ohnehin ein Flickenteppich: Asien-Station für drei, Europa-Tour für die anderen – Monate ohne gemeinsames Training. „Es fühlte sich nicht mehr nach Global an“, gesteht er. Für die Athleten beginnt nun die große Unsicherheit.

Tormis Laine, 25, Estlands Hoffnungsträger, sitzt in einem Tallinn-Café und schaut auf sein Handy. 34 Weltcup-Punkte, das beste estnische Ergebnis aller Zeiten – und jetzt? „Kein Team, keine Ski, keine Antwort“, sagt er. Die Logistikfrage ist nicht klein: Wer präpariert 30 Paar Ski, wer bucht die Camps, wer zahlt die Startgebühren? Laine schätzt die Kosten auf 180 000 Euro pro Saison. „Privatsponsoren springen nur, wenn sie ein Logo auf der Startnummer sehen.“

Die zweite chance wird zur letzten

Die zweite chance wird zur letzten

Global war das Anti-Kader. Wer flog, landete hier. Anton Grammel, raus beim DSV, kämpfte sich zurück und wurde Siebter beim Finale in Lillehammer. Sam Maes, Belgier ohne Bergland, trainierte sieben Jahre mit Global und fuhr in Hafjell auf Platz sechs. „Ohne Global kein Weltcup“, sagt er knapp. Die Statistik gibt ihm recht: 42 Podestplätze der Global-Athleten seit 2013, 13 Siege – alle ohne Verbandsstruktur.

Nun beginnt ein Wettlauf um Plätze. Kooperationen mit Nationalteams? Theoretisch möglich, praktisch selten. Jan Zabystran trainiert mit den deutschen Speed-Herren, Elian Lehto mit den Schweizern – doch die Plätze sind rar, und niemand nimmt gern zusätzliche Konkurrenz ins Boot. Eigenes Team gründen? Drei Läufer planen bereits ein Crowdfunding, Ziel: 250 000 Euro bis Mai. Die Uhr tickt: Sölden ist in 186 Tagen.

Epstein wird die Lücken nicht mehr kitten. Beim US-Team erhält er einen Vier-Jahres-Vertrag, 15 Reisen pro Saison, Tech-Direktoren-Status. Dort wartet bereits Mikaela Shiffrin auf seinen Input. Für die Global-Veteranen bleibt ein Vakuum – und eine Erkenntnis: Ohne Netz ist die Piste härter als jede Eiswände. Die Saison 26/27 wird zeigen, wer ohne Global überhaupt noch startberechtigt ist. Die Quote spricht gegen sie: Nur zwei von 19 ehemaligen Global-Athleten fanden binnen zwölf Monaten eine neue Struktur.