Glatzel platzt der kragen: hsv-stürmer fordert polzin heraus

Robert Glatzel sitzt, sagt er, „wie ein Koffer“ auf der Bank. 82 Tore in 145 Spielen, ein Jahr Vertrag – und trotzdem darf der 32-Jährige beim HSV nur noch zuschauen. Jetzt hat er das Schweigen gebrochen. Mit einem Interview in der Hamburger Morgenpost zündelt der Mittelstürmer gegen Trainer Merlin Polzin – und signalisiert: Ich bin hier weg, wenn sich nichts ändert.

„Warum ich wieder nur zusah, kann ich nicht verstehen“

Die Szene nach dem Leverkusen-Spiel (0:1) war der Funke. Glatzel bat Polzin um ein Gespräch, wollte wissen, warum er nicht spielt. Die Antwort blieb vage, die Konsequenz null. Gegen Wolfsburg und Köln saß er wieder 90 Minuten draußen, während Damion Downs sein viertes Spiel in Folge ohne Treffer versiebte. „Ich habe den Eindruck, dass reine Torgefälligkeit hier keine Rolle spielt“, sagt Glatzel – und das klingt nach einem Angriff auf Polzins Spielideologie.

Der Trainer liebt Pressing, Umschaltmomente, Laufwege. Downs und Königsdörffer liefern das, auch wenn sie sich die Kugel vom Oberschenkel pellen. Glatzel liefert Tore. Doch Tore reichen offensichtlich nicht. „Ich bin kein Laufvollstrecker, ich bin ein Zielspieler“, sagt er. Die Statistik bestätigt: Seit neun Monaten ist er Reservist, kam nur dreimal von Anfang an – ein Treffer.

Die fans rebellieren, hamann bläst zum rundumschlag

Die fans rebellieren, hamann bläst zum rundumschlag

Die Sozialen Medien kochen. „Polzin versenkt den HSV“, lautet ein Kommentar mit 1.200 Likes. TV-Experte Dietmar Hamann schaltet seit Wochen: „Glatzel braucht keine 30 Pressing-Sprints, er braucht drei Ballstafetten – und trifft.“ Polzin kontert mit Kader- statt Einzel-Logik: „Wir brauchen die, die unser System leben.“ Das System lebt, der Stürmer stirbt.

Intern war Glatzel immer ein Kämpfer, nie ein Querulant. Deshalb rührt der öffentliche Seitenhieb so tief. „Ich will kein Feuer legen“, sagt er – und zündet damit längst das Signal für einen Sommer-Transfer. Vertrag bis 2027, aber: „So eine Situation will ich nie wieder erleben.“ Das klingt nach ultimativem Satz statt neuer Chance.

Polzin steht vor der woche der wahrheit

Polzin steht vor der woche der wahrheit

Am Donnerstag Pressekonferenz, am Samstag gastiert der BVB. Wenn Downs wieder stürmt und vergibt, wird das Volksparkstadion pfeifen – nicht nur wegen des Gegners. Polzin muss sich entscheiden: System treu oder Sieg. Glatzel hat seine Entscheidung längst klar gemacht. Wer 82-mal traf und trotzdem draußen sitzt, der sucht sich ein neues Tor. Und ein neues Tor sucht sich ihn.