Gladbach verschenkt rettung gegen heidenheim – polanski-team steckt tiefer in der krise

Mönchengladbach – Eigentlich sollte es der Befreiungsschlag werden. Stattdessen rutschte Borussia Mönchengladbach nach dem 2:2 gegen das Schlusslicht 1. FC Heidenheim noch tiefer in den Abstiegsstrudel. Trainer Eugen Polanski stand nach Abpfiff wie angewurzelt an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke vergraben. 15 Spiele ohne Sieg – die Heidenheimer feierten trotzdem, die Gladbacher schauten sich fragend an.

Die Zahlen sind gnadenlos. Nach dem Remis beträgt der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 nur noch drei Zähler – und das, obwohl die Mannschaft von Polanski 65 Prozent Ballbesitz hatte, 14 Torschüsse mehr abgab und die Gäste in deren Hälfte einlud wie selten zuvor. Doch Chancen allein reichen nicht, wenn hinten jeder Standard ein Abenteuer wird.

Mohya trifft, mainka antwortet – gladbachs abwehr verliert die orientierung

Der 17-jährige Wael Mohya schoss sich mit seinem ersten Heimtor in die Herzen der Fans. Sein Linksschuss aus 13 Metern landete zwar nur mit Hilfe von Keeper Diant Ramaj im Netz, doch das juckte niemanden im Block Nord. Die Freude währte gerade einmal zehn Minuten. Einen Standard später stand Kapitän Patrick Mainka völlig frei, köpfte ein – 1:1. Die Borussen hatten sich gerade erst in Position gebracht, da war die Kugel schon drin.

Polanski hatte auf Rotation gesetzt. Nach der WM-Quali und der anschließenden Balkan-Partynacht ließ er Top-Torjäger Haris Tabakovic zunächst draußen, setzte stattdessen auf Shuto Machino. Der Japaner lief viel, aber ohne Durchschlagskraft. Vor der Pause rettete Keeper Moritz Nicolas mit zwei Glanzparaden gegen Mathias Honsak und Mainka den Gleichstand.

Busch trifft, honorat rettet – die stimmung kippt

Busch trifft, honorat rettet – die stimmung kippt

Kurz nach Stundenwechsel plätscherte das Spiel dahin. Die Fans summelten unruhig, forderten Tabakovic. Polanski reagierte erst, als Marnon Busch mit einem wuchtigen Schlenzer aus 18 Metern auf 2:1 stellte. Die Süd-Kurve verstummte, auf der Gäste-Tribüne brach Jubel aus – 15 Spiele ohne Sieg, trotzdem führen.

Die Einwechslung des bosnischen Torjägers brachte die Wende. In der 74. Minute zog Franck Honorat ab, der Schuss wurde abgefälscht – 2:2. Die Erleichterung war spürbar, doch sie währte nur Sekunden. Denn wer gegen Heidenheim nur einen Punkt holt, der muss sich fragen lassen, ob das Saisonziel nicht längst lautet: Klassenerhalt statt Europacup-Träume.

Die Zahlen sprechen Bände: Seit 15 Heimspielen wartet Gladbach auf einen Dreier gegen ein Schlusslicht. Die letzte Rettung muss am Sonntag her, wenn der Vorsprung auf Platz 16 theoretisch auf drei Punkte schrumpfen kann. Polanski sagte nur: „Wir haben die Kontrolle, aber keine Kaltschnäuzigkeit.“ Das reicht in dieser Saison nicht. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.